Fußball

Der schwäbische Patient

Der VfB Stuttgart entwickelt sich langsam aber sicher zum unheilbar scheinenden „schwäbischen Patienten“ der Fußball-Bundesliga. Nachdem der VfB schon in der vergangenen Saison nicht auf die Beine kam, brauchte es nur eine Partie in der neuen Spielzeit, um die Symptome der Krise wieder zum Vorschein treten zu lassen. Imago Das 0:3 beim Ligastart gegen den 1. FC Nürnberg versetzte den Klub in helle Aufregung und löste Aktionismus bei der Suche nach einem Stürmer aus. Sollten die Stuttgarter am Sonntag bei Arminia Bielefeld (17.00 Uhr/live bei arena) wieder schwächeln, dürfte sich der Zustand der Verantwortlichen weiter verschlechtern. „Diese Situation wollten wir unter allen Umständen verhindern. Wer zum Auftakt 0:3 verliert, der steht unter genauer Beobachtung. In Bielefeld müssen wir eine Reaktion zeigen“, forderte Teammanager Horst Heldt.

Armin Veh, der Mann ohne Lobby

Für den 36-Jährigen ist die Frage nach der Zukunft des ohne große Lobby im Klub arbeitenden Trainers Armin Veh aber noch tabu. „Bei uns wird schon vom ersten Spieltag an alles in Frage gestellt. Da spiele ich nicht mit“, sagte Heldt über den Coach, der beim Salzburger Buchmacher Intertops bereits als erster Anwärter auf eine Entlassung gehandelt wird. Die Frage nach der ersten Wahl bei der Verpflichtung eines dringend benötigten Torjägers ist dagegen noch unbeantwortet. Allerdings halten sich rund um den Canstatter Wasen hartnäckig die Namen der beiden früheren Bremer Angreifer Ailton (Besiktas Istanbul) und Angelos Charisteas (Ajax Amsterdam). Mit beiden Stürmern ist der VfB angeblich in Kontakt. Während sich der frühere Bundesliga Torschützenkönig Ailton aber mehr oder weniger selbst angeboten hat, würde der griechische Europameister Charisteas um die drei Millionen Euro Ablöse kosten. „Wir müssen da was tun“, unterstrich Veh die Notwendigkeit eines Transfers.

Wann reißt Hundts Geduldsfaden?

Die Verpflichtung eines Torjägers hängt laut Heldt allerdings auch davon ab, ob der ausgemusterte Danijel Ljuboja, an dem Celtic Glasgow interessiert ist, den Klub verlässt. Die Posse um den Serben ist fast schon symptomatisch für die Situation beim VfB. Erst verlängerte der Stürmer seinen Vertrag, um danach mehr Geld zu fordern. Seitdem steht Ljuboja auf dem Abstellgleis. Solche Possenspiele, zahlreiche Fehleinkäufe, das „italienische Missverständnis“ bei der Verpflichtung von Ex-Trainer Giovanni Trapattoni und mangelhafte Kontinuität bei der Klubführung sind es, die mittlerweile nicht nur hinter die Arbeit von Veh ein Fragezeichen setzen. Auch Heldt und der momentan im Urlaub weilende Präsident Erwin Staudt sind auf Grund der sportlichen Misserfolge nicht mehr unumstritten.

Um den Anspruch von Spitzenfußball am Neckar zu untermauern, hat der VfB vor der Saison rund neun Millionen Euro in Neuzugänge investiert. Sollte dieses Geld nicht langsam Tore schießen, könnte die ohnehin stark strapazierte Geduld des mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Hundt mit den handelnden Personen im Klub bald ein Ende haben.