Fußball

Neuer Lehmann

Es scheint ein toller Tag für Torhüter zu sein. Manuel Neuer ist gerade mal 20 Jahre alt, ein treuer Nordkurven-Fan auf Schalke, der bis vor kurzem im Bus zu den Auswärtsspielen fuhr. Er hat die Jugendabteilungen der Königsblauen komplett durchlaufen und war bis vor sechs Wochen noch die Nummer drei im Kasten. Da seine vorbildliche Vita aber einen neuen Höhepunkt verdient, wird er am Samstag gegen Aachen von Anfang an im Tor stehen. Imago Erst wechselte der zweite Mann, Christofer Heimeroth, nach Gladbach, dann verletzte sich Stammkeeper Frank Rost am Schienbein – jetzt ist also Neuer am Zug. Beim 2:2 der deutschen U21- Auswahl gegen Holland bekam er noch eine Halbzeit lang Spielpraxis, wo er nur durch einen Elfer bezwungen werden konnte, am kommenden Spieltag wird er dagegen über die volle Distanz nach Bällen greifen. Außerdem hat der Youngster, dem Schalke-Trainer Mirko Slomka das Vertrauen ausgesprochen hat, noch andere Qualitäten. Er sei zwar ein ganz anderer Typ als Frank Rost, „aber auch ein Klassetorhüter und ein gut mitspielender Keeper. Wenn er im Training als Feldspieler dabei ist, fällt er kaum ab,“ so Slomka über Neuers Ballbehandlung mit dem Fuß.

Auch abseits des Spielfeldes ist Manuel Neuer schon in Erscheinung getreten. Als der DFB am 12. Oktober letzten Jahres erstmals zwölf Nachwuchs-Talente mit der Fritz-Walter-Medaille auszeichnete, die „mit spielerischen wie menschlichen Qualitäten in vollem Maße überzeugt“ und „für herausragende Leistungen in der Saison auf und außerhalb des Platzes“ gesorgt haben, da war auch der junge Schalker gemeint. Die ehrenvolle Auszeichnung soll an das Lebenswerk des 2002 verstorbenen National-Helden erinnern. „Seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 wurde der damalige Mannschaftskapitän für seine Bescheidenheit geschätzt und ist sowohl sportlich als auch menschlich ein Vorbild gewesen,“ sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder.

Darüber hinaus bescheinigen Fußball-Experten Neuer ein Talent, das womöglich eine große Zukunft bedeuten könnte. Doch Schrittchen für Schrittchen. „Nervös bin ich noch nicht,“ sagte Neuer zunächst im Hinblick auf die Zwischenstation Aachen. Wenn der 1,92 Meter große Schalker am Samstag um 15.30 Uhr sein Debüt im Profifußball gibt, werden die Knie mit Sicherheit noch weicher. Aber keine Angst, der Mann hat ein gutes Vorbild für die Zukunft: Jens Lehmann – den konnte er vor einigen Jahren noch von der Tribüne im heimischen Parkstadion und in unzähligen Auswärtsspielen bewundern. Von der Nationalmannschaft wagt Manuel Neuer aber noch nicht zu träumen, noch nicht; man muss indes kein Experte sein, um zu wissen, dass auch ein Jens Lehmann lange auf die Verwirklichung seiner Träume warten musste.

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