Fußball

Merte ja - Fahne nein

Der Vertragspoker um Per Mertesacker will kein Ende finden. Seit Monaten schon bahnt sich der Wechsel des Nationalspielers nach Bremen an. Die Gespräche zwischen Hannovers Präsident Martin Kind und Werder Sportdirektor Klaus Allofs führten jedoch auch gestern zu keinem Ergebnis. Lesen Sie hier, was wirklich geschah. EINS

Zeit: gestern am späten Nachmittag
Ort: Autobahnrastplatz Langwedel (A27)

Werders Sportdirektor Klaus A. beobachtet aus dem Fenster – das Treiben an den Zapfsäulen ignorierend – die Raserei auf dem glühendem und gelegentlich Blasen werfendem Asphalt. Gegenüber, am anderen Ende des Tisches, sitzen die Kollegen aus der Geschäftsführung, Jürgen Ludger B. und Manfred M. und schlürfen den x-ten Kaffee des Tages. Es herrscht angespannte Ruhe, Allofs meidet die Blicke seiner Begleiter, er bleibt lieber für sich und lässt die Geschehnisse der vergangenen Stunden noch einmal in Bild und Ton Revue passieren. Während der bisherigen Fahrt nach Bremen hatte er noch keine Gelegenheit dazu, zu sehr haben ihn die Kollegen mit Fragen bedrängt.


ZWEI

Zeit: gestern Vormittag
Ort: eine geräumige Suite im Hotel Kokenhof zu Hannover

Martin K., aus dem Exil zurückgekehrter 96-Präsident, erhebt das Wort zur Begrüßung; es folgt eine kurze, aber herzliche Umarmung – man kennt sich bereits. Klaus A. wurstelt kurz am Kragen und nimmt auf einem gepolsterten Sessel Platz. Die beiden sind alleine, man duzt sich bereits.


K: Wie war die Fahrt, Klaus?
A: Gut, ging fast von alleine, kann schon die Augen dabei schließen.
K: Wo habt ihr diesmal gehalten?
A: Wie immer.

Das Gespräch kommt nur langsam in Fahrt, vorsichtig wird das heiße Thema umkurvt, das doch der Grund des Treffens ist. Martin K. zieht Parallelen zwischen der Firmenphilosophie seines Hörgeräteimperiums und dem Vorsitz bei Hannover. Klaus A. versucht den eventuellen Subtext zu dechiffrieren, nickt gelegentlich und wissend.

K: Weißt du was das heißt?
A: (schweigt)
K: Wir alle hier sind eine sehr große Familie, und jedes einzelne Familienmitglied ist
wichtig.
A: Also, wie viel?
K: Sechs.
A: Vergiss es. (winkt ab)
K: Sechs und Fahne.
A: Spinnst du?!

Jemand klopft an der Tür, Martin K. geht zur Tür und öffnet. Der Zimmerservice rollt einen glänzenden Wagen in den Raum, worauf sich eine Flasche in Kühlung befindet. Martin K. bedankt sich höflich und steckt dem jungen Mann einen Schein in linke Brusttasche.

K: Den brauchen wir wohl nicht mehr.
A: Dreikommasieben – und Fahne bleibt.
K: Sag ich’s doch, wir brauchen den Schampus nicht.
A: Na gut, hör zu, Martin: Wir wollen Merte und er will zu uns, das ist Fakt, oder?
K: Das hab ich auch so gelesen.
A: Und wie würde dir diese Schlagzeile gefallen: Mertesacker zu Bremen für etwa fünf
Millionen.
A: Was hältst du von: Mertesacker vor Wechsel nach Bremen. Und darunter, leicht
abgesetzt: Die Höhe der Ablösesumme noch nicht geklärt. Und natürlich irgendwo im
Text: Gute und intensive Gespräche.

Klaus A. schnellt aus dem Sofa, greift nach der Flasche und verabschiedet sich hektisch. Er steigt in den Fahrstuhl und verlässt ihn wieder im Foyer. Jürgen Ludger B. und Manfred M., die in der Zwischenzeit ausgiebig Kaffee gekippt haben, eilen ihm zur Seite und stellen unzählige Fragen, auf die Klaus A. jedoch nicht reagiert. Gemeinsam steigen sie ins Auto, Klaus A. klemmt sich hinters Steuer und drückt auf das Gaspedal. Richtung A27.


DREI

Zeit: gefühlte zwei Stunden später
Ort: immer noch derselbe Rastplatz an der A27

Klaus A. bricht unvermittelt sein Schweigen, holt die mittlerweile nicht mehr ganz so kühle Flasche aus der Innentasche und stellt sie auf den Tisch.

A: Die habe ich dem alten Geizkragen vorhin abgeknüpft und als nächstes hole ich mir
Merte. Da könnt ihr Gift drauf nehmen. Er will mehr Geld – bitte, soll er haben. Aber
die scheiß Spritkosten, die ziehe ich ihm höchstpersönlich von der Rechnung ab.
B: (schaut M. an)
M: (schaut B. an)
A: Los Jungs wir fahren, den Kaffee könnt ihr morgen, oder übermorgen bezahlen.

Die Protagonisten gehen ab und verschwinden mit dem restlichen Verkehr gen Norden-Westen. Klaus A. blickt aus dem Fenster, die Sonne neigt sich langsam dem Horizont entgegen. Bald schon werden die Flutlichtmasten des Weserstadions zu sehen sein. Und die nächsten nervigen Fragesteller.

A: Gute und intensive Gespräche – paaah! (leise vor sich hin nuschelnd)

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