Fußball

Verschwörung in den Alpen

Es ist Sommer, es ist furchtbar heiß, der Mensch lechzt nach Abkühlung und nach schattigen Plätzen. Ein Ausflug in die Berge wäre sinnvoll, wo die Winde wehen, wo das tropische Wetter noch nicht sein Unwesen treibt. Wie wäre es mit Österreich? Nein, lieber nicht. Dieses Land bringt einen auf komische Gedanken. Oder steckt mehr dahinter? Imago Die offizielle Homepage des VfL Wolfsburg wirbt mit einem kernigen Spruch um Mitglieder: Werde ein Wolf! Dass das nicht wörtlich zu nehmen ist, sondern lediglich die Klubkasse füllen soll, das leuchtet ein. Es ist ein Appell an die Fans, denn sie sollen ein paar Groschen locker machen, für den Fall der Fälle, dass der Mutterkonzern eines Tages die Sinnlosigkeit seiner Finanzhilfen einsieht. In der Zwischenzeit, jetzt, wo die Vorbereitung auf Hochtouren läuft und die Saisonziele wie üblich nach oben geschraubt werden, könnte das womöglich sogar klappen. Man hat das gute Gefühl. Dieses Jahr könnten die Jungs was reißen, da will man doch helfen. Ist doch Ehrensache. Macht die Vereinsliebe.

Fern dieser Spekulationen befindet sich die Werksmannschaft zurzeit im Trainingslager in Österreich. Es scheint bestens zu laufen, die Jungs sind in Hochstimmung. Von zukünftigen Finanzproblemen keine Spur – wieso auch. Und da auch die interne Mannschaftskasse ordentlich gefüllt zu sein scheint, wurden die üblichen Geldstrafen kurzerhand abgeschafft. Der Erfinder des neuen Wölfe-Knigge, Klaus Augenthaler, hat sich mächtig was einfallen lassen. Statt der bisherigen 10 Euro, mit denen Unpünktlichkeit und Verstöße gegen die Kleiderordnung (?) beanstandet wurden, dürfen die Spieler fortan ihre Gesangskünste zum Besten geben oder sich gar als Komiker versuchen. Die ausländischen Profis in den Reihen der Wölfe werden somit zum Singen der Deutschen Nationalhymne verdonnert. Der bisherige Höhepunkt der Blasphemie ist erreicht: ein namentlich nicht genannter Spieler verunglimpfte die von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben mit Bedacht gewählten Worte und sang tatsächlich: „Einigkeit und Recht und Freizeit...“

Was passiert da in Österreich? Zuerst traf es die Schalker, die sich offenbar im Rausch der Höhenluft zum Irrsinn bekannten. Ein paar rote Blutkörperchen zu viel und schon glauben sie, Meister werden zu können. Der neue Schlachtruf: Totale Dominanz. Dann die Geschichte mit dem Wettanbieter aus Wien: erst locken sie unsere Bundesligisten mit Geld, wollen werben, und dann wird das Ganze womöglich für illegal erklärt. Was wird aus Werder? Den Löwen? Und jetzt die Wolfsburger, die diesen Quatsch veranstalten.

Die Sache ist klar, eine Verschwörungstheorie muss herhalten. Folgendermaßen: Die Österreicher, in Person des potenten Dieter Mateschitz, versuchen den deutschen Fußball zu unterwandern. Nachdem sie sich unsere größte Abwehrhoffnung für die WM 2010 (Thomas Linke) und den Shootingstar im Angriff (Alexanderzickler) unter den Nagel gerissen haben, wandert nun auch der beste aller deutschen Trainer (Lothar Matthäus) ab. Außerdem: In Kooperation mit dem Besitzer des Wiener Wettanbieters – wahrscheinlich alte Duzfreunde – unternimmt der Red-Bull-Chef den tollkühnen Versuch, die besten Bundesligavereine zu schwächen: Schalke, Wolfsburg und 1860 München.

Die Dinge überschlagen sich: Soeben wird gemeldet, dass Mateschitz seine Fühler nach Oliver Bierhoff ausgestreckt hat! Auch Marcel Reif soll im Gespräch sein! Was ist da los? Wir bleiben am Ball.