Fußball

Mentale Dominanz bei Schalke

Die zweite Woche nach der WM, der zweite Montag, ein fußballarmer Arbeitstag, und immer blasser werden die Erinnerungen an das rauschende Fest... gefühlte Leere, Ereignislosigkeit - aber Halt! Die Bundesliga kommt, die neue Saison, back to the roots, endlich wieder Vereinsfußball! Imago Und schon wartet der ermattete schwarz-rot-goldene Patriot auf die ersten, spärlichen Schlagzeilen der plötzlichen Sommeröde, hält lechzend Ausschau nach den geliebt-vermissten Klubfarben, giert selbst nach den kleinsten Gerüchten. Transfers? Womöglich aus Italien? Neuer Sponsorenvertrag? Oder Verletzungssorgen? Gibt es eigentlich noch diesen blöden Liga-Pokal? Der Schalke-Anhänger erfährt zurzeit Folgendes:

1) Der S04 befindet sich im Trainingslager in Österreich – oho!
2) Die Mannschaft will „in den Kampf um die Meisterschaft eingreifen“ – was ganz Neues!
3) Neuzugang Peter Lövenkrands hat seine Oberschenkelzerrung auskuriert – puuh!
4) Auf der Brust der Spieler prangt ein neuer Spruch: Totale Dominanz! – nicht etwas zu martialisch?
5) Der Schalker Motivationstrainer, Peter Boltersdorf, will anhand des so genannten Reiss-Profils, die Tiefe der Persönlichkeit eines jeden Spielers ausloten, um die individuellen Lebensmotive herauszufiltern – waaas?

Zur Erklärung: Der engagierte Profi-Sport-Psychologe hat einen opulenten Fragekatalog erstellt, der sage und schreibe 128 Punkte umfasst, die wiederum 16 unterschiedlichen Lebensmotiven zugeschrieben werden; ohne den Beistand ihrer Berater wurden die Spieler nun dazu aufgefordert, diese Fragen nach bestem Gewissen auszufüllen. Die Auswertung des Kreuzchenmachens soll im Idealfall zum Reifeprozess der blau-weißen Führungsspieler und Winnertypen beitragen. Eine ambitionierte Zielsetzung, ohne Frage.

Am Beispiel Kuranyi: Der Nutella-Boy hat das Reiss-Profil womöglich mit besonderem Interesse studiert, basiert es doch unter anderem auf den Lebensmotiven wie Anerkennung, Rache und Kampf. Wir erinnern uns: Der Weltmeisterschaftszug fuhr ohne den ehemaligen Jungstar ab, es blieb ihm manchmal die Tribüne mit Feunden im Italientrikot, ansonsten ein durchschnittliches Fandasein. Die Aufgabe des Mentaltrainers wird also nicht einfach; Kuranyi muss die Enttäuschung ob der Nichtnominierung (fehlende Anerkennung) abschütteln, soll in Ruhe und mit innerer Ausgeglichenheit (Verzicht auf Rache) zu seiner Form finden und letztlich einen Stammplatz erobern (unbedingter Kampf), der ihn eines nicht ganz so fernen Tages wieder in die Alpenländer führt.

Doch zuerst der Ligapokal – den gibt es auch dieses Jahr wieder.