Fußball

Podolski: Rudelbildung

Das Tauziehen um Lukas Podolski wird heftiger. Inzwischen äußern sich Deutschlands mehr oder weniger Fußballweise in derart hoher Zahl erregt zum Transferpoker um den Stürmerstar, dass das Ganze doch stark an üble Rudelbildung mit Schubsen erinnert. Imago Kölns neuer Manager Michael Meier attackierte in einem Interview mit der Bild-Zeitung Trainer Thomas Doll vom Hamburger SV. "Mit dem Hinweis: Wir werfen den Hut in den Ring, hatte HSV-Chef Bernd Hoffmann unseren Präsidenten Wolfgang Overath wegen Podolski informiert. So weit, so gut. Dann plötzlich höre ich Thomas Doll und seine Werbung für Poldi. Sie war respektlos! Ich war erschrocken. So etwas habe ich noch nie erlebt", erklärte der 56-Jährige. Meier sieht in dem Verhalten des HSV-Coaches sogar einen Verstoß gegen UEFA-Richtlinien. "Ohne Respekt vor bestehenden Vertragsverhältnissen bezieht Doll unseren Spieler in seine Planungen mit ein, wohlgemerkt: einen Spieler, den er noch gar nicht hat. Poldi passe besser zum HSV als zu den Bayern, wird da behauptet. Ich betrachte das als Verstoß gegen UEFA-Richtlinien. Doll macht Werbung in eigener Sache mit einem Spieler, der ihm nicht gehört", sagte der Diplom-Kaufmann weiter. In der `Lizenzordnung Spieler´ der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ist unter anderem festgeschrieben, dass Gespräche mit Spielern anderer Vereine geführt werden dürfen. Allerdings müssen deren Klubs, im Fall von Podolski der 1. FC Köln, davor davon schriftlich informiert werden. Dies sei aber nicht passiert. "Hamburg hat das Interesse nicht schriftlich mitgeteilt. Ich habe eher zufällig gehört, dass sich der HSV mit dem Spieler Podolski beschäftigt", sagte Meiers Vorgänger Andreas Rettig gegenüber der Tageszeitung Express (Dienstag-Ausgabe). Rettig war am 17. Dezember nach der 2:3-Niederlage der Kölner in Bielefeld von seinem Posten zurückgetreten. Neben dem Hamburger SV zeigen noch der deutsche Meister Bayern München und Werder Bremen starkes Interesse an einer Verpflichtung von Podolski. Werder-Manager Klaus Allofs übte in der Bild-Zeitung Kritik am Nordrivalen: "Ich frage mich, wie der HSV das bezahlen will. Wenn wir 21 Millionen Euro Schulden hätten, würde uns der Aufsichtsrat einen solchen Transfer gar nicht genehmigen." Dagegen setzte sich Hamburg Boss Bernd Hoffmann wiederum entschieden zur Wehr. "Ich äußere mich nicht über den Zustand anderer Klubs, würde mich freuen, wenn andere Vereine das auch nicht machen." Lukas Podolski will in Kürze entscheiden, wo er ab der kommenden Saison spielen wird. Er habe bereits mit Verantwortlichen von Bayern München, Werder Bremen und des Hamburger SV verhandelt, sagte der 20-Jährige. Der gebürtige Pole will sich bis April entscheiden, um vor Beginn der WM-Vorbereitung im Mai Klarheit zu haben. Podolski steht per Option beim 1. FC Köln noch bis 2008 unter Vertrag, kann aber 2007 für eine festgeschriebene Ablöse von einer Million Euro gehen. Nur ein Transfer vor 2007 brächte Köln demnach eine höhere Summe ein.

Ulf Zimmermann, sid