Fußball

Dresden: Rolle rückwärts

Dynamo Dresden belustigt die Republik derzeit mit einer einzigartigen Trainer-Posse: Das mit viel Getöse inszenierte Sieg-Ultimatum war am Montag Schall und Rauch, Trainer Christoph Franke bleibt weiter im Amt - aber keiner weiß wie lange... Imago Der nach neun Spielen ohne Sieg tief in der Krise steckende Fußball-Zweitligist versucht mit einer spektakulären Rolle rückwärts im Abstiegskampf die Kurve zu kriegen. Bis zum richtungweisenden Spiel am Freitag (19.00 Uhr) beim Tabellenschlusslicht Saarbrücken soll nun statt des erwarteten neuen Übungsleiters ein Verteidiger her, Verstärkungen in der Winterpause sind angekündigt. `In Dresden ist eben alles anders. Ich sehe das nicht als Rolle rückwärts. Ich bin nicht umgekippt, sondern die Analyse der Situation hat uns zu dieser einstimmigen Entscheidung geführt´, versuchte Volkmar Köster am Montag, das überraschend zu Gunsten von Coach Franke ausgefallene Ergebnis von fünf Stunden Krisengesprächen in Geschäftsführung, Präsidium und Aufsichtsrat zu erklären. Der bei Dynamo allmächtige Hauptgeschäftsführer hatte mit seiner Forderung, dass Franke für den Erhalt seines Arbeitsplatzes mit seinen Mannen aus den Partien in Karlsruhe und gegen Unterhaching drei Punkte holen muss, die Turbulenzen selbst ausgelöst. Dynamo verlor 1:2 und 2:3, der kürzlich in Ahlen entlassene Frantisek Straka stand als Nachfolger für seine Präsentation am Montag offenbar schon bereit. `Als ich am Sonntag nach dem Spiel nach Hause fuhr, habe ich ehrlich nicht mehr daran geglaubt, Trainer zu bleiben´, meinte Christoph Franke und gab selbst auf die Erfüllung seines im Sommer bis 2007 verlängerten Vertrages keinen Pfifferling mehr. Zu diesem Zeitpunkt aber brüllten im Stadion noch Tausende Fans: `Außer Franke könnt ihr alle gehn!´ Die mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedete Mannschaft musste aus Sicherheitsgründen sogar das Auslaufen abbrechen. `Die Ovationen der Fans haben mich überwältigt. Das war eine Würdigung meiner Arbeit´, meinte der Coach, der Dynamo in den letzten Jahren von der vierten in die zweite Liga geführt hatte. Offenbar unter dem Druck der Fans und auf Grund der finanziellen Zwänge knickte Köster ein und beorderte Franke nachts per Telefon samt eines bis dahin zu erstellenden Konzeptes für Montagmorgen zum Rapport. `Das vom Trainer vorgestellte Konzept war schlüssig und hat uns zu dieser einstimmigen Entscheidung bewogen´, sagte Jochen Rudi. Dynamos Vereinspräsident versuchte dem offenbar überstimmten und in seiner Glaubwürdigkeit schwer beschädigten Köster beizustehen: `Im Vorfeld Druck aufzubauen, ist doch nicht verkehrt. Wir haben gesehen, dass die Mannschaft für den Trainer spielen wollte und der Trainer die Mannschaft noch erreicht.´ Frankes `schlüssiges Konzept´ beinhaltet die Verpflichtung eines zusätzlichen, zurzeit arbeitslosen Abwehrspielers bis zum Freitag (Kandidaten sollen am Dienstag vorspielen). Zudem sollen in der Winterpause die ehemaligen Leistungsträger Mike Wagefeld (Nürnberg) sowie Ranisav Jovanovic (Mainz) zurückgeholt werden. Ob Franke dann aber noch Trainer ist, bleibt fraglich. `Wir werden keine vorschnellen Entscheidungen treffen´, sagte Köster am Montag ebenso wie: `Wir entscheiden von Spiel zu Spiel.´ Franke fügte mit dem Satz, `ich sehe das nicht so, dass ich weiter permanent in Frage gestellt werde´, auch wenig Erhellendes zum möglichen weiteren Verlauf des sächischen Possenspiels bei.