Fußball

BVB: Analyse eines Irrtums

Mit großer Euphorie hatte Borussia Dortmund im Oktober 2000 das Projekt Börsengang in Angriff genommen. Die Vereinsoberen Gerd Niebaum und Michael Meier wollten dem Vorbild ManU nacheifern und sind dabei selbst zum Vorbild geworden: wie man es nicht macht. Eine Bestandsaufnahme. Die Zwischenbilanz ist ernüchternd, die Perspektive aber nicht völlig hoffnungslos. Fünf Jahre nach dem Börsengang des Fußball-Unternehmens Borussia Dortmund am 31. Oktober 2000 stellt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fest: `Es erübrigt sich jegliche Analyse, die BVB-Aktie ist wahrliche keine Erfolgsgeschichte.´ Im gleichen Atemzug wirbt der Boss der GmbH und Co. KGaA jedoch für das bisher einzige Bundesliga-Wertpapier auf dem Parkett: `Wenn, dann würde ich jetzt kaufen.´ Watzke, der einst selbst Aktien zum Ausgabekurs von elf Euro erwarb, glaubt mittelfristig an einen Anstieg des Kurses auf fünf Euro. Derzeit dümpelt der Preis für einen Anteilsschein im Keller bei etwa 2,30 Euro. `Wir sind dabei, mit unseren Aufräumarbeiten das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen´, sagt der Nachfolger des Schulden-Duos Gerd Niebaum und Michael Meier, das den Traditionsklub einst an die Börse, aber wenig später auch mit Verbindlichkeiten von 118,9 Millionen Euro an den Rand des Ruins führte. Auf 89 Millionen belaufen sich die Schulden derzeit, die Konsolidierung läuft. Aber auf eine Dividende dürfen die Anleger vorerst nicht hoffen. Zumindest kann der BVB-Chef beruhigt der Aktionärsversammlung am 22. November entgegenblicken, `denn die Karten haben wir offen auf den Tisch gelegt´. Der Börsengang, aber das will Watzke offiziell nicht bestätigen, war der Ursprung allen Übels. `Ich kann nicht genau sagen, was damals die Beweggründe waren, an die Börse zu gehen´, formuliert der 46-Jährige diplomatisch, der erst im September 2001 als Schatzmeister Mitglied der Vereinsführung wurde. Es war wohl eine Mischung aus Pioniergeist und Erfolgshunger von Niebaum und Meier, der sich angesichts des Emmissionserlöses von etwa 130 Millionen Euro über maßlose Verschwendung auf dem Transfermarkt bis hin zum Größenwahn steigerte. Doch auch der Gewinn der deutschen Meisterschaft 2002 konnte dem Kurs nicht zum Aufwärtstrend verhelfen, `weil große Anlegerkreise schon zu diesem Zeitpunkt das Vertrauen in das Papier verloren hatten´ (Watzke). Dass die Existenz des Champions-League- und Weltpokalsiegers von 1997 vom Votum der Zeichner des Stadionsfonds Molsiris im März dieses Jahres abhing, hat die Zweifler am Erfolg des Dortmunder Börsen-Abenteuers nur bestätigt. `Ein Fußball-Verein ist nichts für die Börse. Das ist ein Fanartikel, aber keine Aktie´, mahnte Edmund Stoiber. Der bayerische Ministerpräsident und Verwaltungsrats-Chef des Branchenführers Bayern München bezeichnete die Situation beim einstigen Erzrivalen aus Dortmund als `außerordentlich schmerzlich für jeden Fan in Deutschland, denn Dortmund ist ein Stück deutscher Fußball-Geschichte´. Die Aktie im Fußball sieht auch Watzke inzwischen sehr skeptisch. `Sie erfordert die absolute Transparenz eines Vereins, und das ist im Fußball nicht unbedingt förderlich´, erklärt der BVB-Boss und ist davon überzeugt, dass sich das Thema Börsengang für die Bundesligisten nach den Erfahrungen seines Klub vorerst erledigt hat. Neid auf das florierende englische Aktien-Unternehmen Manchester United kann Watzke nicht empfinden. Er backt mit Blick auf die wirtschaftlich prekäre Lage des sechsmaligen deutschen Meisters kleinere Brötchen und hätte sich nach 2000 eine konservativere Klub-Führung gewünscht. `Denn mit dem derzeitigen finanziellen Status von Werder Bremen oder dem Hamburger SV hätten wir goldene Zeiten vor uns. Borussia Dortmund ist noch immer eine starke Marke.´

Günter Bork (sid)