Fürth-HSV: Wie hielt man das aus?

Überleben wir noch so eine Saison?

Blick aufs Handy. 24 neue Nachrichten auf dem Handy. 1000 neue Tweets bei Twitter. Hoffnung, Wut, Gespött. Was passiert mit der Uhr? Mit dem Dino-Maskottchen? Mit der Kneipe »Unabsteigbar« am Bahnhof Stellingen? Es ist alles schon tausende Male erzählt worden. Es ist immer noch lustig. Anscheinend.

Stieber wie eins Van der Vaart

In der 59. Minute passiert es. Zoltan Stieber macht das, was Rafael van der Vaart früher, vor vielen Jahren, auch mal gemacht hat: Er spielt einen tödlichen Pass. Stephan Fürstner lässt Jaroslav Drobny keine Chance.
 
Wieder der Blick auf die Uhr, noch 31 Minuten. Sollte ich diese Flughafenkneipe, dieses Konglomerat der gestrandeten Berliner Barfliegen, der zerstörten Junggesellenabschiede und aus Südamerika ankommenden Wickelhosenträger nicht schleunigst verlassen? Auf eine SMS warten, in der mich jemand mit einem großen Wort informiert, mit »Wahnsinn!« oder »Geschafft!« oder »Deutscher Meister HSV!«?

Überleben wir noch so eine Saison?
 
Ich bleibe sitzen, was vornehmlich daran liegt, dass ich mich nicht bewegen kann. Noch zehn Minuten. Heiko Westermann schlägt über den Ball. Mal wieder. Später sagt er: »Noch so eine Saison ertrage ich nicht, sonst bin ich selbstmordgefährdet.« Doch dieses Mal geht alles gut. Fürth vergibt die größte Chance der Schlussphase.
 
Dann: Abpfiff.
 
Der HSV hat fünf Spiele in Folge verloren, in zwei Relegationsspielen gegen bessere Fürther nicht gewinnen können – und bleibt trotzdem in der Bundesliga. Die Spieler lassen sich feiern, als wären sie Meister geworden. Pierre-Michel Lasogga legt sich mit der halben Fürther Mannschaft an. Noch ein Blick aufs Handy. Bei Twitter schreibt jemand: »Der unverdienteste Nichtabstieg aller Zeiten.« Er hat Recht. Natürlich. Doch das ist nun egal. Ich gehe durch die Tür und lege mich auf eine Bank. K.o.o.k.
 
Wenn ich wieder Kraft habe, würde ich gerne die Uhr abschrauben.