Für Tedesco: Die 5 Phasen der Trainerkrise

Wichtig: Aktionismus

Nach fünf Pleiten in fünf Spielen wird es für Domenico Tedesco so langsam ungemütlich auf Schalke. Hier kommt eine Anleitung für die anstehenden fünf Phasen der Trainerkrise.

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1. Ändern Sie Taktik und Personal

»Wir werden jetzt nicht in Aktionismus verfallen«, sagte jeder Trainer jemals, der in Aktionismus verfiel. Bringen Sie ihrer Mannschaft also unter der Woche hektisch das ungewohnte und den Spielern völlig fremde 6-3-1 oder 2-2-2-2-2 näher, das in den acht Wochen Vorbereitung freilich keine Rolle gespielt hat. Zur Not auch mit extralangen Taktikeinheiten im Starkregen. Dass der 18-Jährige Linksverteidiger den Begriff »Abkippende Sechs« nicht einmal aus der Mathenachhilfe kennt, geschweige denn je auf dieser Position gespielt hat, heißt ja erst einmal nichts. Auch der taktische Winkelzug, den klobigen Sechser auf die Zehn zu ziehen, um »mehr Zugriff zu bekommen«, kann klappen, muss und tut er aber nicht. Wenn am Ende der Trainingswoche ein 0:3 steht, verweisen Sie selbstsicher auf die »vielen guten Ansätze«, die zu sehen waren.  

2. Wechseln Sie den Torwart

Der Stammtorwart ist zwar ein altgedienter Haudegen, der sich sportlich nie etwas hat zu Schulden kommen lassen und in der Mannschaft überaus beliebt ist, aber die desaströsen acht Gegentore in fünf Spielen erfordern eine harte Hand, vor allem auch um dem Umfeld zu signalisieren, dass Sie der Krise entgegensteuern und an den richtigen Stellschrauben drehen. Dass auch die Fans den Stammkeeper lieben, und das nicht erst, seit sein ehrenamtlicher Einsatz für behinderte Hundewelpen öffentlich wurde, geschenkt. Stellen Sie in der nächsten Partie den 19-jährigen Nachwuchskeeper ins Tor. Der darf zuhause zwar nicht mehr die Spülmaschine ausräumen, weil er so viel fallen lässt, und die Kollegen nennen ihn im Training scherzhaft »Kamikaze«, weil er in jedem Luftkampf verlässlich zu Boden geht. Aber immerhin: Beim 0:5 ist er nur an drei Gegentoren Schuld. Und dass er in der Folgewoche trotz Spott und Häme nicht die Berufsschule schwänzt, bestätigt Ihren Eindruck eines stabilen Charakters.  

3. Demontieren Sie einen Führungsspieler

Dass der Stammkeeper auf der Bank sitzt, ruft natürlich die anderen Führungsspieler auf den Plan. Um nicht beim ersten Gegenwind aus dem sowieso stets unangenehm altklugen Mannschaftsrat einzuknicken, müssen Sie auch hier Stärke beweisen. Besonders wirksam ist eine völlig ohne Not weggenommene Kapitänsbinde, gerne neu vergeben an den Söldner, der erst im Winter zum Verein gestoßen und mit einem Fuß eigentlich auch schon wieder aus der Tür ist. Ebenfalls wirkungsvoll ist das öffentliche Anzählen verdienter Spieler, etwa via Interview. »Da muss mehr kommen«, »nicht das, was ich von ihm erwarte«, »ich will eine Reaktion sehen«, »er muss jetzt vorangehen«. Wichtig: Auch wenn das 32-jährige Urgestein, das seit 28 Jahren im Verein ist und jeden Mitarbeiter beim Vornamen kennt, tatsächlich »vorangeht« und eine Reaktion zeigt, sollten Sie ihm trotzdem eine »Denkpause« verordnen. Der Kerl wird sich hüten, noch einmal ein Vier-Augen-Gespräch mit Ihnen zu suchen und sich stattdessen auf das Wesentliche konzentrieren.