Fünf Thesen zur zweiten Liga

Superstau in Sachsen-Anhalt

Kieler Bus geht im Reisechaos unter
Der 11FREUNDE-Astrologe hat im Sternsystem von Beteigeuze ein Himmelsgestirn ausfindig gemacht, was nur eines bedeuten kann: Der Fanclub StorchPower00 wird am 32. Spieltag in Ingolstadt den Aufstieg von Holstein Kiel gebührend feiern und so erst am Montagabend den 800 Kilometer langen Weg in die Heimat antreten. Unglücklicherweise haben sie die Rechnung ohne das Land der Frühaufsteher gemacht, denn bereits kurz nach Anbruch des nächsten Tages ist in Sachsen-Anhalt Kind und Kegel im Kombi unterwegs und kreiert den Superstau des Jahrhunderts, da jeder seine Oma besuchen möchte. Schließlich ist es der 1. Mai. Was folgt ist eine Odyssee mit gebrochener Achse, leerem Tank, falschen Ersatzteilen und verlassenen Raststätten. Immerhin: Gegen Freitag ändert man die Fahrtrichtung und steuert nun direkt auf Düsseldorf zu – dort hat Holstein Kiel am Sonntag das nächste Auswärtsspiel gegen die Fortuna. Wir sagen: Wen schert die unfreiwillige Rundreise – für Kieler Fans ist es die Saison ihres Lebens!


Spiel, Spaß und Spannung
Der französische Meister? Steht fest. Der englische Meister? Steht fester als ein Stadionpfeiler. Der deutsche Meister? Wir lehnen uns mal aus dem Fenster und sage: Bayern. Wie die letzten fünf Male. Wer wirklich noch Spannung will, oben wie unten, dazu noch hinreißende Geschichten mit Herz und Seele, der sollte die zweithöchste Spielklasse in Deutschland ansehen: Das Auf- und Abstiegsrennen hart umkämpft, zwischen Platz vier und 15 liegen sage und schreibe sechs Punkte. Holstein Kiel ist zwar gerade erst aufgestiegen, fährt aber Punkte ein wie ein alter Hase, der SV Sandhausen hat 14.000 Einwohner, 15.000 Plätze im Stadion und ist die beste Heimmannschaft der bisherigen Saison. Ergebnisse wie 4:3 (Union Berlin gegen Holstein Kiel), 1:6 (MSV Duisburg gegen 1. FC Nürnberg) oder 5:0 (Arminia Bielefeld – FC St. Pauli) sind keine Seltenheit. Die Fans haben das schon lange begriffen und so ist es auch keine Überraschung, dass jedes Jahr mehr Zuschauer in die Stadien der deutschen zweiten Liga pilgern (in der Saison 2016/17 waren es im Durchschnitt 21.747 Zuschauer) - mehr als in die Ligue 1 in Frankreich (21.080 Zuschauer) und nur knapp weniger als in der Serie A in Italien (22.007). Wir sagen: Fußball hat ein zu Hause in einer Wundertüte. Man nennt sie zweite Liga.