Fünf Thesen zur Nationalmannschaft

Es fehlt ein strategischer Kern

3. Kroos und Kimmich harmonieren noch nicht

Auf dem Papier bilden Toni Kroos und Joshua Kimmich eine spielstarke Doppelsechs. Beide verfügen über einen feinen Fuß, können tolle Pässe spielen und ein Spiel lesen. In der Praxis harmonieren die Beiden jedoch noch nicht. 

Sowohl Kroos als auch Kimmich besetzen eher tiefe Räume. Kroos kippt häufig auf die Linksverteidiger-Position ab, während Kimmich sich im Zentrum positioniert. So fehlt ein nachrückender Spieler aus dem Mittelfeld. Kimmich könnte diese Rolle in der Zukunft ausfüllen, traut sich aber noch nicht so recht, weit vorzustoßen.

Auch defensiv lassen die Beiden manches Mal Lücken im Zentrum. Gerade gegen die Niederlande bekamen sie das Zentrum nicht unter Kontrolle, Frenkie de Jong war einflussreichster niederländischer Spieler. Kroos und Kimmich könnte eine Erfolgsgeschichte werden. Noch ist sie es nicht.

4. Die Chancenverwertung ist eine Schwachstelle

Bei aller Kritik an der neu zusammengestellten deutschen Elf: In beiden Spielen hatte sie genug Chancen, die Partie frühzeitig für sich zu entscheiden. Die Offensive weiß in einigen Momenten zu brillieren. Die Stürmer bewegen sich viel, besetzen immer wieder freie Räume. Gerade Serge Gnabry überzeugte mit seiner klugen Positionierung.

Doch im entscheidenden Moment schwächeln die deutschen Stürmer. Vor dem Tor braucht die deutsche Nationalmannschaft zu viele Chancen für einen Treffer. Manches Mal hat man das Gefühl, sie wollen den Ball ins Tor tragen anstatt den Schuss zu wagen. Bei konsequenterer Chancenverwertung hätte Deutschland etwa gegen Nordirland viel früher die Partie entscheiden können.

5. Es fehlt ein strategischer Kern

Joachim Löw betont seit der verkorksten Weltmeisterschaft, er wolle sein Team neu ausrichten. Sein Team solle nicht mehr nur Ballbesitz sammeln, sondern flexibler auftreten. Schnelles Konterspiel soll ebenso zum Repertoire gehören wie der ruhige Aufbau.

Das Problem: Derzeit ist das deutsche Team aus strategischer Sicht weder Fisch noch Fleisch. Gegen die Niederlande etwa wäre nach der Führung ein klarer strategischer Fokus wichtig gewesen. Will Deutschland sich auf das eigene Konterspiel besinnen? Oder wollen sie den Ball laufen lassen und den Gegner so zermürben? Deutschland machte ein bisschen von Beidem – und löste keine der beiden Aufgaben besonders gut.

Erfolgreiche Mannschaften zeichnet aber aus, dass sie genau wissen, wie sie spielen wollen. Bei der deutschen Elf spürt man aktuell, dass sie noch nicht genau weiß, wo die Reise hingehen soll. Noch befindet sie sich in einer Übergangsphase. Möchte Deutschland Erfolg bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr haben, muss die Mannschaft aber in den kommenden Monaten ankommen. Wo genau? Das weiß wohl nur Löw.