Fünf gute Gründe ein Fußballspiel zu verlegen

Alle außer Helmut

Fortuna Düsseldorf muss seine letzten Heimspiele aus dem Stadion verlegen. Der Grund: Die Stadt hat den Eurovision Song Contest geholt. Lächerlich, denn statt Lena gibt es nur fünf gute Gründe ein Fußballspiel zu verlegen. Fünf gute Gründe ein Fußballspiel zu verlegen 1. Die Rückkehr des Messias
Wenn er kommt, dann richtig. Christoph Daum. Der Heiland. Der Heilige. Der heilige Heiland! Im Kölner Wunderland würden sie sicherlich mit Freuden ganz Müngersdorf abriegeln lassen, wenn nötig gar die ganze Stadt. Leverkusen gleich mit. Übertrieben? Man erinnere sich an Daums letzte Rückkehr zum EffZeh, als tausende Kölner zur Trainingsstätte pilgerten und um Erbarmen flehend die Hände durch Metallgatter streckten, eine Berührung des Heilands mit dem Schnäuzer erhoffend. Daum selbst reagierte damals kühl und irgendwie heilig auf den ihm dargebotenen Personenkult: »Die Menschen riefen meinen Namen, junge Mütter streckten mir ihre Babys entgegen, damit ich sie berührte.« Spielverlegung für Christoph Daum? In Köln würden sie wenn nötig wahrscheinlich die komplette Hinrunde in Düsseldorf austragen, um das stadteigene Heiligtum wieder in die Domstadt zu lotsen.

2. Massenhochzeit mit Lothar

Ein Traum in weiß und rot. Lothar Matthäus hält erneut um die Hand einer frisch gebackenen Abiturientin an. Die 19-Jährige kommt aus Hannover. Ihr Name: Lena. Spontan entscheiden sich tausende Frischverliebte zur Massenvermählung in München Fröttmaning. Die Arena strahlt reisfarben. München wird für einen Tag zum Hippieparadies. Joints statt Weißbier und Blumen statt Brezen. Linda de Mol kommentiert das Happening, das live in über 200 Länder übertragen wird. Ihr Co-Moderator Uli Hoeneß schluchzt in die Kamera: »Ich glaubte einst, dieser liebevolle Mann wird nicht mal Greenkeeper.« Der Höhepunkt: Lothar Matthäus, am Klavier von Udo Jürgens - im weißen Bademantel - begleitet, haucht über die Stadionanlage einen eigens komponierten Liebesbeweis. Der Refrain: »Lena, Du bist die Einzige für mich. Und Liliana auch.« Herzzerreißend.

3. Friedensnobelpreis für Jogi
Alle sind sie da, selbst der Präsidentschafts-Kandida(t)! 2011 sind sich eigentlich alle – außer vielleicht den Chinesen – einig, dass der Friedensnobelpreis nur an einen Mann verliehen werden kann: Joachim Löw. Mögliches Szenario im spontan dafür hergerichteten Berliner Olympiastadion (weil Schweden keine Lust mehr auf die teure Verleihung hat): Bundespräsi Christian Wulff sitzt in Reihe 1, schmeißt mutig mit Bundesverdienstkreuzen um sich und legt Pik Ass. Neben ihm die inzwischen 17-jährige Präsidentschaftstochter, daneben, immer noch oben ohne, Mesut Özil und Tim Wiese (im lachsfarbenen Anzug). Löw betritt den Strafraum, kann sich einem verzweifelten Rempler des erneut nicht berücksichtigten Helmut Kohl gerade noch erwehren und holt sich die güldene Medaille ab. Spontan feiert ihn das deutsche Königspaar (Lothar Matthäus&Daniela Katzenberger) mit einer lauwarmen Bierdusche. Die Party artet aus, tagelang feiern Löw, Wulff und all die anderen mit den »Atzen« auf dem Berliner Rasen. Tim Wiese grölt mit Angela Merkel ins Mikro: »Hey, was geht ab? Die Haare sind niemals glatt!«. Und Hertha BSC, als Titelfavorit in die Bundesliga gestartet, muss im Jahnsportpark den erneuten Gang in Liga 2 verkraften. Meister wird Helmut Kohl.

4. Stuttgart 21 
Das Ländle brennt. Und wie. Zehntausende stürmen vor dem letzten Spieltag die Luxukarossen-Arena, um für die Initiative Stuttgart 21 zu demonstrieren. Die Polizei wird übertölpelt und kann nur noch hilflos zusehen, wie immer mehr Menschen aus allen Richtungen auf den Rasen streben. Chefvermittler Fritzle tapst mit nagelneuen Krokodillederlatschen auf das Podest und brüllt die Parole der Protestler: »Wir bleiben oben. 21 Punkt müssen zum Verbleib in Liga eins reichen.« Die Mannschaft wird frenetisch bejubelt, Spielertrainer Krassimir Balakov auf Händen durch das Rund getragen. Absoluter Höhepunkt: Das tragische Dreieck (Bobic, Haber und Poschner) performen ihre Protesthymne »Steh auf.« Yo!



5. Die Wesermania  XXXIV

Tim »Der Aal« Wiese gegen Aaron »Die Kalkleiste« Hunt: Der Titelkampf um den Schwergewichtstitel im Platzhirschen lockt Zehntausende ins Weserstadion. An Fußball ist nicht mehr zu denken. Denn die Veranstalter haben das Wrestling-Duell kurzerhand zum No-Rules-Cagematch ausgerufen. Stühle, Bratpfannen, Hantelbanken, Selbstbräuner und Clerasil stehen bereit und warten auf ihren Einsatz. Es wird klebrig. Doch auch die Vorkämpfe können sich sehen lassen: Tim »Disco« Borowski gegen Thorsten »Lutscher« Frings im Bounce-till-Borgfeld-is-Brooklyn-Duell. Zwei Discofüchse, eine Gummizelle, wer aufhört zu bouncen, verliert. Außerdem: Petri »The Finisher« Pasanen gegen Clemens »Fischers« Fritz im Outsider-Shootout-Rumble. Wer mehr Flanken hinters Tor ziehen kann, holt den Titel. Letzter Höhepunkt: Thomas »The Grummel« Schaaf gegen Wolfgang »The Wool« Rolff  im Silent-Death-Match. Wer länger schweigen kann, kriegt Ruhm, Ehre und Fischbrötchen auf Lebenszeit. Das, liebe Wrestlingfreunde, wird ein langer Abend.

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