Fünf Gründe, warum der BVB/der VfL den Pokal holt

Männer, die auf Matchpläne starren

Wer gewinnt den DFB-Pokal? Unser Taktikexperte klärt die wichtigsten Fragen.

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Fünf Gründe, warum Dortmund gewinnt

1. Dortmund ist wieder in Form!
War das eine Dortmunder Rückrunde! Im Januar stand der BVB noch auf dem letzten Tabellenplatz. So blutleer und kreativarm wie der BVB auftrat, war selbst der Vergleich mit dem HSV angebracht. Doch der BVB hat sich gewandelt. Klopps Truppe verbesserte sich, nicht explosionsartig, sondern langsam und stetig. In der Rückrundentabelle steht der BVB auf Platz fünf. Dortmund ist wieder Gegner und nicht nur Opfer.

2. Jürgen Klopp wirft ein letztes Mal die Pressingmaschine an!
Solange Jürgen Klopp noch an der Dortmunder Seitenlinie steht, kann Dortmund einen großen Pluspunkt vorweisen: das Pressing. Selbst in den dunkelsten Stunden dieser Saison stand der BVB defensiv nie instabil; meist waren es individuelle Schnitzer, die Dortmund Gegentore en masse einbrachten.

Das Kollektiv, Klopps größter Stolz, funktionierte aber. Dortmund verteidigt kompakt im 4-2-3-1 und kann mittlerweile auch mitten im Spiel auf ein ebenso kompaktes 4-3-3-Pressing umstellen. Das Dortmunder Gegenpressing, von Klopp einst »der beste Spielmacher der Welt« getauft, funktioniert wie in den besten Tagen. Warum sollte Dortmund nicht noch einmal den Gegner einfach kaputt pressen? Wolfsburg neigt unter hohem Druck dazu, den Ball nach vorne zu bolzen.

3. Dortmund kann's wieder spielerisch!
Toreverhindern war nie das Problem des BVB. Das Toreschießen wohl. In der Hinrunde reihte sich ein katastrophaler spielerischer Auftritt an den nächsten. Sechzig Minuten lang fiel Dortmund nichts ein, um die gegnerische Defensive zu knacken – und in den letzten dreißig bolzten sie den Ball einfach blind nach vorne.

Der BVB ist gereift. Ilkay Gündogan hat seine Form gefunden und baut das Spiel von hinten auf. Die Außenstürmer verhalten sich klüger im Aufbauspiel, ziehen häufig in die Mitte. Dortmund sucht nicht mehr früh den Weg auf die Flügel, sondern versucht, sich Überzahlen in Zentrum oder Halbraum zu verschaffen. Plötzlich diktiert wieder der flache Pass das Spiel und nicht die hohe Flanke. Selbst wenn Wolfsburg sich im Pokalfinale hinten reinstellt – Dortmund hat das geeignete Gegenmittel.

4. Dortmund kann die Wolfsburger Lücken offenbaren!
Sicherlich, Wolfsburg ist defensiv keine leicht zu knackende Mannschaft. Doch unbezwingbar sind sie nicht. Ihr mannorientiertes System, das auf direkte Zweikämpfe setzt, lässt sich mit guten Offensivmechanismen aushebeln. Die Wolfsburger Spieler folgen ihren Gegenspielern weit, offenbaren dabei jedoch Lücken im Defensivspiel, wenn der Gegner so schnörkellos und direkt spielt, dass Wolfsburg die Lücken nicht rechtzeitig schließen kann.

Genau das beherrscht Dortmund. Ein Dreiecksspiel, ein schneller Pass auf Pierre-Emerick Aubameyang – schon ist Wolfsburg geknackt. Aubameyang, der Usain Bolt unter den Stürmern, könnte ohnehin ein großer Dortmunder Trumpf sein gegen die zweikampfstarke, aber doch etwas langsame VfL-Abwehr.

5. Jürgen Klopp hat's verdient!
Sentimentalitäten haben in der knallhart objektiven 11FREUNDE-Taktikvorschau eigentlich nichts verloren. Doch seien wir mal ehrlich: Klopps Abschied nach dem Spiel dürfte selbst eiskalten Taktiknerds die Tränen in die Augen treiben. Seit Hennes Weisweiler ist es keinem deutschen Trainer mehr gelungen, ein Team aus dem Nichts so nah an die europäische Spitze zu führen. Ein Dortmunder Pokalsieg wäre ein würdiger Abschluss der Ära Klopp.