Fünf Gründe für Deutschlands Scheitern bei Olympia

Pech statt Gold

Seit 1912 sind die deutschen Fußballer bei Olympia vom Pech verfolgt. Schuld daran: Ein ohnmächtigen Torwart, die scheinbar übermächtige DDR und Adolf Hitler.

 

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1. Der bewusstlose Torwart
1912 begann Deutschlands Geschichte bei Olympia: In Stockholm sollte es die A-Nationalmannschaft richten. Eine eigene Olympiaauswahl gab es noch nicht, da Fußballspieler als Amateure galten. Doch gleich im ersten Spiel platzte der Traum von olympischem Gold: Mit 1:5 verloren die deutschen Kicker gegen Österreich. Was für eine Blamage! Denn womit keiner gerechnet hatte, war dass sich die Österreicher sich so unsportlich verhielten. Kurz zuvor war der deutsche Torwart Albert Weber bei einer Rettungsaktion mit dem Pfosten und einem Gegner zusammengestoßen und wegen einer Gehirnerschütterung ohnmächtig zusammengebrochen. Für einen Wechsel brauchten die Deutschen aber die Zustimmung des Gegners, die dieser schlichtweg nicht erteilte. So blieb den Deutschen nichts Anderes übrig, als mit Angreifer Willi Worpitzky einen Feldspieler zwischen die Pfosten zu stellen. Was aber auch nichts daran änderte, dass die Österreicher, die bis dahin 1:0 hinten gelegen hatten, von da an leichtes Spiel hatten und ein Tor nach dem anderen schossen. Noch nie etwas von Fairplay gehört, liebe Österreicher? Zum Glück ließen sich die deutschen Fußballer nicht entmutigen und zeigten stattdessen in der Trostrunde ihre fußballerische Klasse. Mit 16:0 fegten sie Russland vom Platz - und das innerhalb von 69 Minuten. Bis heute ist das der höchste Sieg einer deutschen Nationalelf und auch die zehn Tore des Karlsruhers Gottfried Fuchs sind unübertroffen.

2. Der Platzverweis
Erst 16 Jahre später, also 1928, kam die deutsche Mannschaft zu ihrer zweiten Olympiateilnahme. Nach einem 4:0-Auftaktsieg gegen die Schweiz mussten sich die Deutschen bereits im zweiten Spiel dem späteren Olympiasieger Uruguay mit 1:4 geschlagen geben. Bitterer Beigeschmack waren die beiden Platzverweise von Hans Kalb und Richard Hofmann. Der Schiedsrichter hatte nicht bemerkt, dass Spieler aus Uruguay ihre Gegner festhielten. Stattdessen ahndete er die Revanche-Fouls von Kalb und Hofmann. Kalb war danach außer sich. Er tobte und wütete, sodass dem DFB-Generalsekretär Hans Blaschke nichts Anderes übrig blieb, als den Tollwütigen in der Kabine einzusperren. 

3. Vor Hitlers Augen
Eigentlich zählte das Team von Reichstrainer Otto Nerz bei den Spielen 1936 in Berlin zu den Gold-Favoriten. Schließlich war Deutschland bei der WM 1934 immerhin Dritter geworden. Doch was Adolf Hitler als sportliche Machtdemonstration geplant hatte, endete im Fiasko. Schon im zweiten Turnierspiel verlor der hochgelobte Gastgeber gegen das kleine Norwegen mit 0:2 - eine Blamage für Hitler, der sich zum ersten Mal ein Spiel der deutschen Mannschaft im Stadion ansah. Ganze 83 Minuten hielt er es aus, bis er die Schmach nicht mehr ertrug und aus dem Poststadion flüchtete. Seine Propagandamaschinerie war innerhalb von 90 Minuten gescheitert. Zum Sündenbock gemacht wurde aber Reichstrainer Nerz, der noch am selbigen Abend seinen Platz räumen musste und durch seinen Assistenten Sepp Herberger ersetzt wurde. Hitler indes schaute sich nie wieder ein Fußballspiel an.