Fünf Gründe für Deutschlands Niederlage

Keine Absicherung und ein richtig guter Gegner

3. Konterabsicherung? Ein Fremdwort

Deutschland fehlten zwar die Impulse aus dem Spielaufbau. Das hinderte die deutschen Spieler aber nicht daran, extrem offensiv zu agieren. Kimmich und sein Pendant Marvin Plattenhardt stießen immer wieder in die vorderste Linie, auch Thomas Müller und Julian Draxler boten sich ständig vor Mexikos Abwehrkette an. Deutschlands Aufbauspiel war jedoch weder kreativ noch genau genug, die offensiven Spieler zu finden. Stattdessen produzierte Deutschland einige unnötige Ballverluste.

Eine offensive Spielweise und unnötige Fehlpässe sind eine kritische Mischung. Explosiv wird es erst, wenn sich dazu noch ein schwaches Gegenpressing gesellt. Genau das war im Spiel gegen Mexiko aber der Fall: Deutschland erlangte nach Ballverlusten keinen Zugriff, gerade die Doppelsechs aus Khedira und Kroos hechelte nur hinterher. Die deutschen Innenverteidiger Boateng und Mats Hummels waren ganz auf sich allein gestellt. Das hinderte Hummels nicht daran, dennoch aggressiv herauszurücken. Er wurde dabei wieder und wieder überspielt. Deutschland ließ Mexiko im Konterspiel gewähren.

4. Mexiko kann Fußball spielen

Auch andere Länder können Fußball spielen. Das mag im Land der Weltmeister eine überraschende Erkenntnis sein. Mexiko bewies, warum sie zu den Geheimfavoriten des Turniers zählen: Der taktische Plan von Osorio mit der Manndeckung auf Kroos ging exzellent auf. Mexiko hat zudem das Tempo und die technische Klasse, um einen Gegner wie Deutschland auszukontern. Stürmer Chicharito legte den Ball ab, die Außenstürmer starteten mit Wucht hinter Deutschlands Abwehr. Mit solch einer Leistung dürften sie nicht nur den Weltmeister ärgern.

5. Deutschland erarbeitet sich zu wenige saubere Abschlüsse

Am ehesten wackelte Mexiko in der letzten halben Stunde. Sie mussten dem hohen Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen. Joachim Löws Wechsel brachten indes Tempo in das deutsche Spiel: Marco Reus (60., für Sami Khedira) kurbelte das Spiel von der halbrechten Seite an. Er dribbelte selbst Richtung Strafraum oder legte den Ball raus zu Kimmich. Später löste Löw sogar die Viererkette in der Abwehr auf und brachte mit Mario Gomez (80., für Plattenhardt) und Julian Brandt (86., für Werner) weitere Stürmer. Vor allem Brandt zeigte sich gefährlich.

Deutschland drückte Mexiko nun weit hinten rein, diese zogen sich im 5-4-1 an den eigenen Sechzehner zurück. Deutschland dominierte die Partie zwar, kam aber selten in gute Schusspositionen. Das lag nicht zuletzt daran, dass für Kimmichs hohe Flanken ein Abnehmer im Strafraum fehlte. Somit konnte sich Deutschland keine Torchancen mehr erarbeiten. Die Misere der Testspiele setzt sich auch nach Turnierstart fort.