Fünf Dinge, die wir von dieser Saison gelernt haben

Die abstrakte Vorhölle

Die Bayern haben immer noch keinen Geschmack, Hertha bleibt sich treu, Pizarro sowieso – unsere fünf Lehren der Saison 2015/2016.

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Er gab sein Leben und alles was er dafür bekam…
War es Spott? Blanker Hohn? Oder doch nur eine gutgemeinte Geschmacksverirrung des Münchener Vorstands? – Nach dem verpassten Champions-League-Finaleinzug rechtfertigte sich Pep Guardiola in den vergangenen Wochen für alle verpassten Titel (keine Champions League, kein DFB-Supercup und nicht einmal der UI-Cup). Dass es sowieso schwer als ausländischer Trainer in der Bundesliga sei und er sich nichts vorzuwerfen habe, versicherte Guardiola, während im Hintergrund seine bolivianischen Ledersessel abgebaut und nach Manchester verschifft wurden. Wieder nur Meister. »Ich habe mein Leben für diesen Verein gegeben.« - Und was war der Dank?

Eine Skulptur, vielleicht nur ein Türstopper, mit dem Motiv des Bayern-Berni als hätte sich die Malschule Fröttmaning zum ersten Mal mit Kunst beschäftigt. Ein Geschenk aus der abstrakten Vorhölle. Manchester dürfte Skulpturenberni wohl nie erreichen. Und auch der FC-Bayern-Vorstand schafft Platz für die neue Saison. Wenn alles besser werden soll. Die Spieler. Der Trainer. Die Titel. Man kann sich schließlich nicht jedes Jahr pflichtbewusst über eine Meisterschaft freuen.

Ein Sinnbild der Hauptstadt
Was war die Aufregung in der 11FREUNDE-Redaktion vor wenigen Wochen noch groß. Hertha BSC auf dem Weg in die Champions League hatten wir morgens am Kiosk lesen dürfen. Die internationale Welt des Fußballs in unserer bescheidenen Stadt? Mehr Spitzenfußball als das alljährliche DFB-Pokalfinale, wenn zwei geschlauchte Spitzenteams auf dem Weg in die Sommerpause sind? In unseren Köpfen begannen wir die Presseplätze zu verschachern. Einmal Barcelona gegen zwei Karten für Galatasaray? Soll der Kollege nur machen. Lachshäppchen, CL-Champagner, alles dabei. Nur das frischgeöffnete Sterni Export übertraf den süßen Geschmack unserer Träume.

Und jetzt? Nichts. Hertha BSC vergeigte auf den letzten Metern eine ganze Saison. Statt sichere Champions-League-Teilnahme nur ein siebter Platz. Europa-League-Qualifikation. Düdelingen statt Turin.

Berlin bleibt sich treu: Kein internationaler Flughafen, keine sauberen U-Bahnen, überall halbherzige Fußtouristen. Und Hertha ließ und verzweifelt jammernd zurück wie sonst nur die Türsteher des Berghains.