Fünf Dinge, die wir von diesem Spieltagssamstag gelernt haben

Blues Brothers gehen wieder auf Tour

Damit ihr auch am Sonntag mitreden könnt: Die fünf Lehren der gestrigen Samstagskonferenz.

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FC Ingolstadt macht weiterhin alles richtig
Würde die 11Freunde-Redaktionsmannschaft jemals einen Herzenswunsch gewährt bekommen und für eine Saison in der Bundesliga spielen dürfen, es wäre grässlich mitanzusehen. Elf unsportliche, leicht restalkoholisierte »Sportler« in engen Radlerhosen, die jeden Samstagnachmittag gegen überiridisch gutspielende Bundesligisten antreten würden. Wir würden kämpfen, kratzen und beißen. Unserem Mann (Zonenverteidigung können wir nicht) bis auf die Toilette folgen und alles für den Nichtabstieg tun. Der hässlichen Fratze der Bundesliga die glitzerpinke Maske abreißen. In der Hoffnung, dass ein halbblinder Manager aus der Premier League uns entdeckt und wir fortan völlig überbezahlt in England weitertreten dürften. Kurzum: Wir würden spielen wie der FC Ingolstadt.

»Ich bin enttäuscht, dass wir dieses Spiel spielen mussten«, sagte HSV-Torschütze Josip Drmic nach Spielschluss. Spaß hätten diese 90 Minuten wahrlich nicht gemacht. Sein Teamkollege Lewis Holtby riss zur folgenden Aussage hin: »Das Spiel [der Ingolstädter] besteht daraus, dass sie herumblöken und sich fallenlassen. Das ist eine ekelhafte Mannschaft.« Der Hamburger SV war pissed off. Genervt von all den kleinen Fouls und Unannehmlichkeiten, die der Gast für sie bereitgehalten hatte. Dabei war es HSV-Spieler Nikolai Müller, der zur Pause gelb-rot-gefährdet ausgewechselt werden musste. Einige Szenen des FCI waren sicher überhart, andere kaum foulwürdig. Denn wenn wir ehrlich sind, hat dieses Spiel vor allem eins gezeigt: Weshalb der Aufsteiger Ingolstadt auf dem neunten Tabellenplatz steht und der Hamburger Sportverein mit dieser Mannschaft immer wieder in Abstiegsängste gerät.

Darmstadt ist der moralische Sieger
Wo wir schon bei leicht unfairen Szenen sind: Der SV Darmstadt bewies – ähnlich wie der FC Ingolstadt – worauf es im Abstiegskampf ankommt. Alle fünf Spieler, die gegen den FC Bayern München vor einer Woche noch gelbgesperrt auf der Tribüne saßen, waren in Bremen natürlich von Anfang dabei und wiedermal versuchte Darmstadt bei Standards irgendwie Torgefahr auszuüben. Sandro Wagner zeigte kurz vor der Halbzeit, dass eine kleine Portion Coolness einem Bundesligastürmer auch noch nie geschadet hat. Sollte Wagner sein Niveau halten, er wird von uns ohne Frage zum Spieler der Rückrunde gewählt. Der Darmstädter Stürmer befindet sich zurzeit in der Form seines Lebens. Abgesehen vom U21-Finale 2009, als wir alle kurz dachten, den nächsten Gerd Müller vor uns zu sehen. Und so geht der SV Darmstadt, trotz des späten 2:2-Ausgleichs, erneut wie ein Punktsieger aus einem Abstiegsduell.

Gut gemacht, Udo
Zugegeben, eigentlich wäre es uns gar nicht aufgefallen. Wir, die ein C&A-Sakko mit einem hellblauen Batikshirt kombinieren, von Stil sprechen, nur um wiedermal vor der Berghaintür mit einem stillen, stirnrunzelnden Kopfschütteln abgewiesen zu werden. Doch beim 1:0 in Wolfsburg wurden wir stutzig. Kingsley Coman – was für eine Bude – ging im Jubel seiner bajuwarischen Teamkollegen kurz unter. Dann war er wieder da. Zweifach. Wir fühlten uns in Tage unserer Kindheit zurückversetzt, als uns nichts glücklicher machte als das aktuelle »Wo ist Walter?«-Suchbild.

Doch dann wurde selbst uns Berliner-Fashion-Week-Chabos bewusst: Coman und David Alaba waren einfach nur beim gleichen Friseur. War es Udo Walz? Oder sind die beiden Hand in Hand in den Laden von Marlies Möller (gegoogelt) spaziert? So oder so. Ein gewiefter Schachzug, ein Albtraum für jeden Manndecker, der es nun mit waschechten Ratiopharm-Zwillingen aufnehmen muss. Schade eigentlich nur, dass Mitchell Weiser nicht mehr bei den Bayern spielt.

Das soll es jetzt aber auch sein, denn auch wir müssen zum Friseur. Vorne am Ostbahnhof. Modell Günter Keute – Neun Euro fuffzich ohne Waschen.