Fünf Dinge, die wir von diesem Spieltag gelernt haben

Wagner für den Weltfrieden

Damit ihr auch am Sonntag mitreden könnt: Die fünf Lehren der gestrigen Bundesliganachmittags.

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1. Müller ist eine Gladiole
Bei dem Krankenstand rund um die Säbener Straße sollten alle Fans des FC Bayern München weiterhin froh sein, dass einer noch immer auf dem Platz steht: Thomas Müller. Der Ur-Bayer steuert seine Mannschaft derart sicher durch jede kleine Krise, dass selbst die Bundesregierung derzeit über eine Verpflichtung Müllers nachdenken sollte. Nach dem Gegentor durch Darmstadt und unzählbaren vergebenen Chancen lagen die Nerven bei den Münchenern kurz vor der Halbzeitpause blank. Rafinhas Ellbogenstoß zu diesem Zeitpunkt war dermaßen rotwürdig, dass spätere Diskussionen im TV-Studio nur als Verschwendung der Sendezeit angesehen werden konnten.

Nach der Pause war es also Müller, der wie so oft den bayerischen Karren aus dem Dreck zog. Der Ausgleich, das ungelenke Fallrückziehertor (mit dem Rücken zum Tor, mehr Fallen als Springen, per Außenrist. So ungelenk, dass es eigentlich nur auf den Bolzplätzen der Republik von dickbäuchigen Kickern in Radlerhosen geschossen werden sollte. Oder wie Müller es selbst beschrieb: »Es war schon ein Schöneres.« Oder wie wir sagen würden: Es war der Ausdruck des Müllerativ) sowie die Einleitung zum 3:1 mit anschließendem Torjubel in Müller-Manier strahlten mal wieder aus, wofür Münchens Nummer 25 steht: unbedingter Siegeswille. So wundert es kaum, dass der FC Bayern die letzten 50 Spiele gewann, in denen Müller traf.

Das sollte vor allem Mut für die kommenden internationalen Aufgaben machen, wenn Geduld, starke Nerven und vor allem Siegeswille gefragt sein werden. Und höchstwahrscheinlich auch wieder Thomas Müller


2. Bremen ist ein Abstiegskandidat
Kaum schlechter hätte der 22. Spieltag für den SV Werder Bremen verlaufen können. Beim 0:2 in Ingolstadt wirkten die Bremer ideenlos und blieben zurecht – abgesehen von wenigen Standards – fast ohne Torchance. Der Mitkonkurrent um den Klassenerhalt aus Ingolstadt machte es immerhin etwas besser und nutzte zwei der wenigen Chancen – ebenfalls zwei ruhende Bälle. Doch abgesehen von der eigenen Leistung dürften die Punkteausbeute der übrigen Teams für Sorgenfalten in Bremen sorgen.

Der FC Ingolstadt liegt nun neun Punkte vor den Bremern und hat mittlerweile ähnliche Abstiegssorgen wie der VfL Wolfsburg oder 1. FC Köln. Also keine. Hamburg und Frankfurt teilten sich am Freitag die Punkte. Stuttgart und Augsburg sind Siege am Sonntag zuzutrauen. Von unten rückt die TSG Hoffenheim heran. Kurz gesagt: Die Bremer sind dermaßen dick im Abstiegskampf, dass jetzt nur noch ein Punkteplan der Weight Watchers helfen dürfte. 


3. Nur Sandro Wagner kann derzeit für Weltfrieden sorgen
Zugegeben, auch wir haben in der Vergangenheit daran gezweifelt, dass Darmstadts Sandro Wagner noch einmal deutliche Fußspuren in der Ligageschichte hinterlassen würde. Oftmals wirkten die Bemühungen des Angreifers so traurig, dass ihm eigentlich ein Werbevertrag des Papiertaschentuchherstellers »Tempo« zugetragen hätte werden müssen.

Man meinte sogar zu erahnen, dass über dem einst hoffnungsvollen Talent, seit seinem Sahneaufritt im U21-EM-Finale 2009, bei der er die deutsche Elf per Doppelpack nahezu alleine zum Titel schoss und in dessen Folge nahezu alle seine Teamkameraden (u.a. Neuer, Boateng, Özil, Khedira, Hummels, Schmelzer) eine große Karriere starteten, ein mystischer Fluch lag. Doch wie so oft wurden wir eines Besseren belehrt. 

Hier gibt es Sandro Wagner mit Interview >>>

Denn in dieser Saison läuft Wagner dermaßen heiß, dass man im Großraum Darmstadt bereits überlegt, alle Haushalte auf Fernwärme aus dem Böllenfalltor umzustellen. Mit seinem Kopfballtreffer gegen den FC Bayern machte sich Darmstadt-Kapitän (!!) Wagner gar europaweit einen Namen, denn es war schon sein fünfter in dieser Saison. Damit hat in dieser Saison nur ein Spieler in Europa mehr Treffer mit dem Schädel erzielt: der teuerste Spieler der Welt, Gareth Bale (7).

Wagners Ablöse dürfte also über Nacht in den dreistelligen Millionenbereich abdriften, sein Abgang nach China wird kaum zu stoppen sein. Dabei ist Sandro Wagner derzeit so stark am Boden und in der Luft, dass die UN darüber nachdenken sollte, Wagner zu klonen, um ihn als Abschreckung im Nahen Osten in Stellung zu bringen und somit langfristig dem Weltfrieden eine realistische Chance zu geben. Doch vorher schießt Sandro Wagner Jogi Löw noch zum EM-Titel.