Fünf Dinge, die Hollerbach beim HSV in den Griff bekommen muss

Wann schießt der HSV endlich wieder Tore?

3. Tore schießen
Das größte Problem der Hamburger: das Toreschießen. In elf ihrer neunzehn Saisonspielen blieben die Hamburger ohne eigenen Treffer – selbst die Kölner blieben nicht derart häufig ohne eigenes Tor. Zu selten fruchtete das Umschaltspiel der Hamburger. Ihr hektisches Spiel provoziert zu selten klare Abschlussmöglichkeiten.

Tatsächlich befindet sich der Hamburger SV aber, was die Zahl der herausgespielten Torchancen angeht, im Bundesliga-Mittelfeld. Am größten Problem wird auch Hollerbach wenig ändern können: Den Hamburgern fehlt aktuell ein Torjäger. Der junge Jann-Fiete Arp ist angeschlagen, Bobby Wood befindet sich in einer Formkrise. Den Außenstürmern, die unter Gisdol häufig vor das Tor starteten, geht wiederum der Torinstinkt ab. Einen Torjäger kann auch Hollerbach nicht aus dem Hut zaubern.

Prognose: Das Toreschießen liegt nicht in Hollerbachs Hand. Arp oder Wood müssen ihre Form finden.

4. Spielerische Linie
Gisdols hoher Fokus auf Pressing und Umschaltspiel befeuerte ein weiteres Problem: Dem HSV fehlen die spielerischen Mittel, um aus dem eigenen Spielaufbau Chancen zu kreieren. Die Hamburger sind nur dann gefährlich, wenn sie mit Geschwindigkeit ihre eigenen Außenstürmer einsetzen können. Der Spielaufbau aus der Abwehr lahmt allerdings – auch weil ein Spielgestalter aus der Tiefe fehlt. Weder die Innenverteidiger noch die Sechser können dies leisten.

Kein anderer Verein öffnet das Spiel derart häufig mit hohen Bällen. Somit hat der HSV ein gehöriges Problem: Sobald sie hinten liegen, finden sie nicht ins Spiel zurück. Der Gegner kann ihnen einfach den Ball überlassen und lange Bälle verteidigen, ohne Gefahr zu laufen, dass dem Hamburger SV die zündende Idee einfällt.

Hollerbach kennt diese Ausgangslage. In Würzburg hatte er mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: Nach einer starken Hinrunde überließen immer mehr Zweitligisten Würzburg den Ball. Hollerbachs Mannen fehlte ebenfalls die zündende Idee, aus dem eigenen Ballbesitzspiel Akzente zu setzen. Das Ende ist bekannt: Würzburg stieg ab.

Prognose: Hollerbach wird den HSV spielerisch allenfalls marginal weiterentwickeln.

5. Die Leichtigkeit
An einen Trainerwechsel knöpft sich immer die Hoffnung auf einen kurzfristigen Aufschwung. Neue Trainingsinhalte, eine andere Ansprache, eine Chance für Spieler, die bisher keine Chance bekommen: Oft geht es gar nicht so sehr um die Frage, was der neue Trainer eigentlich anders macht – wichtig ist, dass er überhaupt etwas anders macht.

Dem HSV fehlt aktuell jegliche Leichtigkeit. Ist Hollerbach der richtige Mann, um einen Trainereffekt zu erzielen? Hollerbach hat das Trainer-Handwerk unter Magath gelernt. Er legt einen hohen Fokus auf körperliche Fitness, ist aber im menschlichen Umgang nicht ganz so wortkarg wie der für sein Schweigen berüchtigte Magath. Ob das genügt für einen Trainereffekt? Der HSV muss hoffen, dass sich auch hier die Geschichte wiederholt.

Prognose: Ausgang offen.