Fünf Dinge, die Hollerbach beim HSV in den Griff bekommen muss

Jährlich grüßt das Murmeltier

Der HSV entlässt Markus Gisdol und holt Bernd Hollerbach. Der in Hamburg gleich eine ganze Reihe von Problemen angehen muss. Doch ist Hollerbach der richtige Mann für den Job?

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Am Samstagabend verlor der Hamburger SV mit 0:2 gegen Tabellenschlusslicht Köln. Im Anschluss blockierten die Fans die Abfahrt des Mannschaftsbusses, Sportdirektor Jens Todt verweigerte indes dem Trainer eine Jobgarantie. Am nächsten Morgen war Markus Gisdol entlassen. Dieses alljährliche Chaos hinterlässt in Hamburg nach nunmehr einem halben Jahrzehnt Abstiegskampf nur noch ein Gähnen. Jährlich grüßt das Hamburger Murmeltier.

Der Auserwählte, der in diesem Jahr den Hamburger Karren aus dem Dreck ziehen soll, heißt Bernd Hollerbach. Der frühere HSV-Spieler arbeitete jahrelang als Co-Trainer unter Felix Magath. Zuletzt führte er die Würzburger Kickers zunächst in zwei Jahren zu zwei Aufstiegen, ehe er mit ihnen aus der zweiten Liga abstieg. Kann Hollerbach den HSV retten? Wir listen die Probleme auf, die Hollerbach angehen muss – und geben eine Prognose ab, ob ihm das gelingen wird.

1. Strategische Flexibilität
Strategie bezieht sich im Fußball auf die großen, allumfassenden Fragen: Wie will eine Mannschaft spielen? Will sie den Ball haben oder lieber kontern? Was ist ihr Wesenskern? Auf diese Frage hatte Gisdol nur eine Antwort: Pressing. Das war der Wesenskern seiner Hamburger: den Gegner ständig unter Druck setzen, ein chaotisches Spiel provozieren, dem Gegner keine Ruhe lassen.

Dieser Wesenskern hat sich mit der Zeit abgenutzt. Immer weniger Gegner waren gewillt, gegen die Hamburger das Spiel zu gestalten. Sie stellten sich darauf ein, dass die Hamburger ein kampfbetontes Spiel provozieren wollten. Je besser sich der Gegner einstellte, umso deutlicher wurde, dass der Spielansatz der Hamburger beschränkt ist. Gisdol fehlte ein Plan B.

Hollerbach hat in seiner Karriere bewiesen, dass er durchaus flexibel arbeiten kann. Auch er fühlt sich am Wohlsten, wenn seine Mannschaft aus einer stabilen Ordnung auf Konter spielen kann. Doch er ist nicht ganz so vernarrt in ein aggressives Pressing, wechselt auch schon mal zwischen tiefer und hoher Defensive.

Prognose: Positive Veränderung. Hollerbach wird dem HSV-Spiel neue Facetten abgewinnen.

2. Taktische Flexibilität
Mit der strategischen Einseitigkeit ging beim HSV-Spiel auch eine taktische Einfältigkeit einher. Während immer mehr Bundesliga-Trainer ihre Defensive exakt auf den Gegner abstimmen, gab es unter Gisdol nur wenige Varianten zu bestaunen. Seine Hamburger verteidigten meist in einem 4-2-3-1, nur selten kam ein 5-3-2 als Alternative zum Einsatz. Wöchentliche Systemwechsel, wie sie Trainer wie Frankfurts Niko Kovac oder Hannovers Andre Breitenreiter betreiben, gab es unter Gisdol nicht.

Während seiner Zeit in Würzburg taktierte Hollerbach wesentlich vielseitiger als Gisdol in Hamburg. Hollerbach bevorzugte die Viererkette, ließ sein Team aber auch mal mit einer Fünferkette verteidigen. Es kamen unterschiedlichste Varianten zum Einsatz, vom 4-2-3-1 über das 4-3-3 bis hin zum 5-4-1. Hollerbach passte seine Taktik dabei stets auf den Gegner ab.

Prognose: Positive Veränderung. Unter Hollerbach wird der HSV auf den Gegner abgestimmte Matchpläne umsetzen.