Friedhelm Funkel über ein bewegtes Trainerleben

»Das Happy End meiner Laufbahn«

Wer fällt Ihnen ein?
Beim MSV Duisburg habe ich mal Keeper Holger Gehrke suspendiert, weil er mich total provozierte. Damals leiteten mein Co-Trainer und ich die Einheiten noch zu zweit. Ich stand beim Torschusstraining, ließ für die Spieler den Ball abtropfen und konnte nicht sehen, was hinter meinem Rücken passiert. Irgendwann stellte ich fest, dass Holger nicht einen Ball gehalten hatte. Als auch eine Verwarnung nicht half, dass er sich zusammenriss, habe ich ihn drei Tage nach Hause geschickt, damit er zur Besinnung kommt. Auch Albert Streit hat mal so lustlos trainiert, dass ich ihn nicht mit zum Pokalspiel nahm. War aber ein Fehler, ich hätte ihn zumindest auf die Bank setzen müssen. Heute würde ich anders reagieren.

Woran merken Sie die zunehmende Gelassenheit des Älterwerdens? Schlafen Sie vor oder nach Spielen heute besser als früher?
Wissen Sie, ich konnte immer gut schlafen. Wenn wir mit Eintracht Frankfurt vom Mannschaftshotel im Bus 20 Minuten zum Stadion fuhren, saß Bruchhagen neben mir. Kaum waren wir angefahren, schlief ich sofort ein. Heri hat immer gefragt: ›Friedhelm, wie kannst du jetzt nur schlafen?‹ Aber für mich ging das wunderbar, schließlich hatte ich alle Spielvorbereitungen abgeschlossen.

Mit fünf Aufstiegen sind Sie Rekordtrainer der Bundesligageschichte. Wie wichtig ist Aufstieg Nummer sechs?
Ich will um jeden Preis aufsteigen. Es wäre das Happy End meiner Laufbahn. Aber in diesem Zweitligajahr ist alles möglich. Momentan schlägt ja jeder jeden.

Gibt es eigentlich ein Angebot, dass Sie aus heutiger Perspektive besser angenommen hätten?
Nein.

Ihnen fehlt die Auslandserfahrung.
Es gab Angebote aus Russland oder der Türkei. Aber was hätte ich da gewollt? Das Einzige, woran ich noch manchmal denke: Ich hätte an der Seite von Rudi Völler als Co-Trainer der Nationalelf arbeiten können.

Das lehnten Sie aber ab, weil Christoph Daum nach zehn Monaten übernehmen sollte, was dann wegen dessen Kokainaffäre flach fiel.
Wenn ich damals gewusst hätte, dass Rudi vier Jahre für den DFB arbeiten wird, hätte ich das gemacht.

Friedhelm Funkel, haben Sie mal drüber nachgedacht, wie Sie als Trainer in Erinnerung bleiben wollen?
Ich möchte zufrieden mit meiner Laufbahn sein. Und das bin ich. Knapp 1300 Profispiele als Trainer und Spieler, unvorstellbar. Wer hat das?

Und demnächst sechs Bundesligaaufstiege.
Abwarten. Aber ich freue mich immer noch auf jeden Spieltag. Am Wochenende haben wir ein ausverkauftes Haus, die Stimmung ist super, ich kann mir kein schöneres Leben vorstellen. Und ich bin mit 64 noch fit genug, um mit den Jungs beim Training im Kreis zu spielen.

Fünf gegen zwei?
Nee, das geht mir zu schnell. Sieben gegen zwei, das schaffe ich gerade noch.