Friedhelm Funkel über ein bewegtes Trainerleben

»Ich weiß, was beim Aufstieg auf mich zukommt«

Gab es dennoch eine Zeit, in der Ihnen auf den Geist ging, als »Fachkraft für Mängelverwaltung« bezeichnet zu werden, als »knochenharter Realist für Aufräumarbeiten« oder – wie Ihr Kumpel Bruchhagen Ihnen mal attestierte – als Coach mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis?
Glauben Sie mir, ich habe nie schlecht verdient. Vielleicht hätte ich mehr verdienen können, denn ich hatte nie einen Berater. Aber ich habe ein komfortables Leben, muss mir über Geld nie mehr Gedanken machen. Was will ich mehr?

Vielleicht ein besseres Image?
Ich hatte immer Spaß an meiner Arbeit. Was geschrieben wurde, hat mich nie groß interessiert.

Klingt realistisch. Glauben Sie, dass Ihnen für die ganz großen Klubs eine Prise Wahnsinn fehlt?
Kann sein. Aber auch darüber habe ich nie nachgedacht, weil ich mit meinen Klubs und den Städten, in denen ich gearbeitet habe, zufrieden war. Manchmal bin ich wegen meines Realismus vielleicht auch entlassen worden, weil der Fußball auch daran krankt, dass ab einem bestimmten Moment Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Und für Projekte, wo das so ist, bin ich dann eben nicht der geeignete Mann.

Dann sollten Sie sich überlegen, ob Sie mit Fortuna wirklich den Aufstieg schaffen wollen.
Im Rheinland gehen im Erfolgsfall die Ansprüche schnell mal durch die Decke. Angenommen, wir bleiben bis zum Saisonende wirklich an der Tabellenspitze, weiß ich ganz genau, was auf mich zukommt. Mich kann in diesem Geschäft nichts mehr schocken.

Was ist das perfekte Alter für einen Profitrainer?
Sie können in jedem Alter etwas bewegen. Eine Zeit lang gab es eine Art Jugendwahn in unserer Branche. Der ebbt gerade wieder etwas ab, weil jeder verstanden hat, dass ständig neue Trainer auf den Markt kommen, von denen sich manche halten, andere aber auch schnell wieder verschwinden. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern dass man ein guter Trainer ist.

Und woran erkennt man einen?
Daran, dass er kontinuierlich über Jahre gute Arbeit macht. Julian Nagelsmann beispielsweise ist ein sehr guter Trainer, der die erste Delle in seiner Laufbahn gerade perfekt gemeistert hat. Aber er ist noch nicht so weit, Trainer beim FC Bayern zu werden.

Warum denn nicht?
Weil er für diese komplexe Aufgabe eindeutig noch zu jung und unerfahren ist.

Als Sie vor einiger Zeit nach Julian Nagelsmann gefragt wurden, zollten Sie ihm Respekt, wie er sich in seinem Alter in Hoffenheim durchsetzt. Allerdings habe er dort eine »nicht ganz so schlimme Mannschaft mit nicht ganz so schlimmen Fingern«. Welches war Ihre schlimmste Mannschaft?
Ach, die Mannschaften waren fast alle sehr intakt. Es gab halt ein paar Spieler, die versucht haben, mich auf die Probe zu stellen.