Friedhelm Funkel über ein bewegtes Trainerleben

»Viele hinterlassen keinen guten Eindruck«

Heynckes und Sie sind nicht nur aktuell die Top-Trainer der ersten und zweiten Liga, Sie gelten beide auch als extrem korrekt. Von Heynckes ist überliefert, dass er noch am Tag seiner Entlassung bei Borussia Mönchengladbach 2007 seinen Dienstagwagen frisch gewaschen und vollgetankt auf den Hof stellte.
So habe ich es auch immer gemacht: Wenn ich mein Auto bei den Klubs abgab, war es gewaschen, von mir persönlich ausgesaugt und aufgetankt. Es gibt Spieler und auch Trainer, die machen das ganz anders, die hinterlassen bei vielen Arbeitgebern keinen guten Eindruck. Und das bezieht sich nicht nur auf den Dienstwagen. Aber vielleicht ist das auch ein Grund, warum Jupp und ich noch da sind. Auch wenn ich mich keinesfalls mit ihm auf eine Stufe stellen möchte. Was dieser Mann leistet, ist unglaublich.

Bei einigen Klubs haben Sie sich zwar höflich, aber mit der Faust in der Tasche verabschiedet.
In Bochum, in Rostock und vor allem beim 1. FC Köln war ich verärgert. Wir waren souverän aufgestiegen. Manager Andreas Rettig und ich waren lange befreundet und hatten ausgemacht, uns rechtzeitig mitzuteilen, wenn es Probleme gebe. Eines Tages rief er mich an, ich solle morgen früher kommen, wir müssten reden. Darauf ich: ›Andreas, wollt ihr mich rausschmeißen?‹ – ›Nein, nein, komm einfach nur früher rein.‹

Und dann wurden Sie doch entlassen.
Tja, da war ich schon sehr angeschlagen, denn ich hatte einen super Draht zur Mannschaft und bin überzeugt, dass wir niemals abgestiegen wären. Erst später wurde mir klar, dass Andreas plante, Marcel Koller zu holen – und das offenbar schon seit Beginn der Saison.

Trotzdem haben Sie sich zur damaligen Zeit nie öffentlich beschwert.
Stimmt, aber Andreas und ich haben danach ein halbes Jahr kein Wort mehr miteinander gesprochen. Erst später hat er öffentlich zugegeben, dass es einer seiner größten Fehler war, mich zu entlassen. Wohl auch deshalb, weil Marcel Koller – der ein sehr guter Trainer ist – die komplette Struktur, die ich aufgebaut hatte, zerschlug, auf andere Spieler setzte und der FC am Ende abstieg.

Wie schaffen Sie es, sich immer so im Griff zu haben?
Ach wissen Sie, ich will keinen Streit. Und ich glaube, dass diese Haltung auch ein Grund ist, warum ich fast immer gleich einen Anschlussjob gefunden habe.

Täuscht der Eindruck oder werden der Öffentlichkeit Ihre Leistungen erst jetzt, da Sie das Rentenalter erreichen, so richtig bewusst?
Ich habe auch den Eindruck, dass der Respekt größer geworden ist. Aber die Leute, mit denen ich gearbeitet habe, konnten es immer einschätzen. Heribert Bruchhagen hat mal gesagt: ›Friedhelm holt aus jeder Mannschaft das Bestmögliche raus.‹

Der »Kicker« schrieb mal, Sie würden »Fußball von anno dazumal« spielen lassen. Jetzt lobt jeder die Fortuna für ihren Offensivfußball. Stellen Sie risikoreicher auf als früher?
Nein. Ich habe in der zweiten Liga fast immer offensiv gespielt, sonst wäre ich nicht fünf Mal aufgestiegen. Aber in der Bundesliga hatte ich leider nie ein Team, das so gut war, um ständig die Flucht nach vorne anzutreten.