Friedhelm Funkel über ein bewegtes Trainerleben

»Mich kann in diesem Geschäft nichts mehr schocken!«

Friedhelm Funkel hat Fortuna Düsseldorf zurück in die Bundesliga geführt. Mit uns sprach er vor wenigen Wochen über eine verrückte Saison, Discos und Telefonate mit Jupp Heynckes. 

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Friedhelm Funkel, kennen Sie die Düsseldorfer Diskothek »Rudas Studios Club«? 
Nein, wieso fragen Sie?

Einerseits, weil Sie als Feierbiest bekannt sind …
… aber ich gehe in meinem Alter doch nicht mehr in Discos. Wenn ich feiere, dann in Kneipen, am Strand von Cala Ratjada oder an Karneval.

Und andererseits, weil diese Disco Ende 2015 den Spielern von Fortuna Düsseldorf aufgrund schwacher Leistungen in der zweiten Liga Hausverbot erteilte.
Davon habe ich gehört, aber das war vor meiner Zeit. Soweit ich weiß, gehen unsere Spieler inzwischen auch eher in andere Läden.

Wo Ihre Mannschaft sicher willkommen ist. In zwei Jahren haben Sie die Fortuna komplett umgekrempelt.
Was daran liegt, dass die Verantwortlichen des Klubs bereit waren, große Entbehrungen hinzunehmen und an einen gemeinsamen Weg zu glauben.

Sie übernahmen die Fortuna im Frühjahr 2016 auf einem Abstiegsplatz.
Wir hatten nur acht Spieltage Zeit, den Klub vor der Drittklassigkeit zu retten. Ich musste schnell entscheiden, auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht.

Für Kritiker sind Sie der Prototyp des Feuerwehrmanns. Ähneln sich alle Klubs, die so am Boden liegen?
Ja und nein. Jede Mannschaft hat nun mal andere Charaktere. In Düsseldorf war für mich aber sofort erkennbar, dass es im Kader einige gab, die nicht bereit waren, sich den Hintern aufzureißen. Und am Ende der Saison habe ich mit Rückendeckung des Klubs deshalb sechs Spielern – trotz laufender Verträge – mitgeteilt, dass ich nicht mehr mit ihnen plane. Das war für alle Beteiligten hart, denn die Fortuna hatte eigentlich kein Geld dafür, und jeder Klub achtet darauf, Verträge einzuhalten.

Sie waren nicht als radikaler Sanierer bekannt.
Aber ich habe gelernt, dass man im Fußball seine Überzeugungen durchsetzen muss. Vielleicht war ich in früheren Jahren noch etwas abwartender als heute. Aber wenn die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand steht, muss ein Trainer auf seinen Instinkt hören.

Eigentlich hatten Sie nach Ihrer Entlassung im April 2014 beim TSV 1860 München mit der Trainerlaufbahn abgeschlossen.
Ich hab zumindest mit dem Gedanken gespielt, ganz aufzuhören. Allerdings mit dem Hintertürchen, nur noch Jobs anzunehmen, die in der Nähe meines Wohnorts Krefeld liegen. Ich wollte einfach nicht mehr umziehen.

Die Überlegung hatte also nichts mit dem Chaos bei 1860 zu tun?
Nein, ich dachte, es wäre vielleicht an der Zeit. Aber Sie haben schon Recht, die Strukturen in München stimmten überhaupt nicht.

Hatten Sie nach den etwas unglücklichen Stationen bei Alemannia Aachen und 1860 auch das Gefühl, sich als Trainer überlebt zu haben?
Das sicher nicht. Aber ich gebe zu, dass die Entscheidung, in Aachen Trainer zu werden, die einzige meiner Laufbahn ist, die ich bereue.