Friedhelm Funkel ist der Größte

»Ein Ehrenmann«

Mit dieser Art ist es ihm gelungen, an keiner einzigen Station verbrannte Erde zu hinterlassen. So sehr man auch sucht, man findet keinen im deutschen Fußball, der schlecht über ihn redet. Wenn er sich von seinen Klubs verabschiedete, stellte er den Dienstwagen gewaschen und vollgetankt an der Geschäftsstelle ab. Er gab jedem Mitarbeiter artig die Hand und im Zweifel ist er auch – wenn er nichts mehr bewirken konnte – von sich aus zurückgetreten und hat den Klub von finanziellen Verpflichtungen ihm gegenüber befreit. Ein Ehrenmann. Eigenschaften, die ihn übrigens mit Jupp Heynckes verbinden. Noch so einer vom alten Schlag, der erst auf der Zielgerade seiner Trainerlaufbahn die Anerkennung erhielt, die ihm schon viel früher gebührt hätte.

Und auch das gehört zur Pflicht des Chronisten: Funkel ist der wohl letzte Trainer im deutschen Profigeschäft, der nicht darauf besteht, dass ihm Interviews zur Autorisierung vorgelegt werden. »Sie machen das schon«, sagt er beiläufig am Ende eines Gesprächs. Denn er wählt seine Worte sorgfältig, er neigt nicht zur Indiskretion und er hat etwas, das vielen in diesem Geschäft abgeht: Vertrauen. Er vertraut auf die Ehrlichkeit seines Gegenübers.  

»Keiner im deutschen Profifußball hat mehr Spiele auf dem Buckel«

Nur ein einziges Mal wurde aktenkundig, dass Funkel eine Entscheidung mit Fassungslosigkeit quittierte. Als Fortuna Düsseldorf im Wintertrainingslager verkündete, seinen Vertrag nicht mehr zu verlängern. Da kamen nicht nur den Spielern die Tränen, sondern auch dem hartgesottenen Übungsleiter selbst. Trotz guter Aussichten auf den Klassenerhalt – so kam es wohl bei ihm an – war selbst dieser Verein nicht in der Lage oder gar Willens, eine tragkräftige Zukunftsvision mit ihm als verantwortlichem Coach zu entwickeln.

Offenbar sind Klubbosse einfach nicht in der Lage die Potentiale zu erkennen, die Funkel vereint: Schließlich hat kein deutscher Profitrainer mehr gesehen. Keiner ist öfter in die Bundesliga aufgestiegen (sechs Mal), keiner hat als Aktiver und Coach im bezahlten Fußball mehr Spiele auf dem Buckel (weit über 1300), kaum einer trainierte mehr Profiklubs (zehn). Mit dieser fetten Paket an Erfahrung ist es Funkel nun gelungen, Fortuna Düsseldorf bereits sechs Spieltage vor Saisonende vor dem Abstieg zu bewahren. Das Team mit dem zweitniedrigsten Etat der Bundesliga schloss auf Platz zehn ab, 16 Punkte vor dem Relegationsrang. Obwohl der Fortuna-Marktwert nur knapp ein Zehntel des FC-Bayern-Kaders beträgt, spielten die Düsseldorfer in der Allianz Arena unentschieden. Das Mastermind hinter all diesen Erfolgen: Friedhelm Funkel. Der nichts so sehr hasst, wie die Frage nach Konzepttrainern. Als ob ein Coach wie er kein Konzept habe.

Nun hat er angekündigt, dass Düsseldorf seine letzte Station sein wird. Er will reisen. Er will Karten spielen. Wahrscheinlich will er auch endlich in Ruhe Helene Fischer und Andrea Berg hören. Es wird also Zeit, ihm zu attestieren, dass er nicht nur die beständigste Kraft in einer von Unbeständigkeit geprägten Spielklasse ist, sondern eine prägende Persönlichkeit des Fußballs. Zeit zu sagen: Friedhelm Funkel ist ein großer Trainer. Und dass hoffentlich nie mehr vorkommt, dass eine Dame am Empfang versehentlich vergisst, ihm einen »Guten Morgen« zu wünschen.