Frankreich und der Fall Benzema

Videobeweis

Sieben Monate vor Beginn der EM wird Frankreich von der »Affaire Benzema« erschüttert. Was ist dran an den Erpressungsvorwürfen gegen den Star von Real Madrid?

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Nein, es läuft nicht gut für die Franzosen. Knapp ein halbes Jahr vor Beginn der Europameisterschaft im eigenen Land wird das Bild einer nach den schwierigen Vorjahren reformierten französischen Nationalmannschaft durch die Affäre Benzema erschüttert. Der 27-jährige Stürmer von Real Madrid befand sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der vergangenen Woche in den Händen der Justiz in Versailles. Er wurde nach einer möglichen Beteiligung an der Erpressung seines Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena befragt. Konkret geht es um die Existenz eines Videos, welches Valbuena, seit Sommer in Diensten von Olympique Lyonnais, in sexuell anzüglichen Positionen zeigen soll. Vor kurzem hatten Erpresser angeblich 150.000€ von Valbuena gefordert, damit das Video nicht an die Öffentlichkeit gelange.

Keine Wahl für Valbuena?

Benzemas Rolle in dieser Affäre ist ein wenig diffus, da sich die Versionen seiner möglichen Beteiligung arg widersprechen. Einerseits wird behauptet, dass Benzema zugegeben haben soll, an der Erpressung beteiligt gewesen zu sein und damit einem Freund aus Kindheitstagen namens Karim Zenati helfen zu wollen, da dieser die Personen in Besitz des Videos kenne, so »L’Express«. Diese Version wird allerdings von Benzemas Anwalt dementiert. Eine Untersuchung von Telefongesprächen soll ergeben haben, dass Benzema in einem Gespräch mit seinem Jugendfreund gesagt haben soll, dass »er (Valbuena) keine Wahl« habe und Benzema ihm »das zu verstehen geben werde«, woraufhin Valbuena »bezahlen« würde.

Am Dienstagmorgen legte »Europe1« weitere Mitschriften eines Telefongesprächs zwischen Benzema und seinem Jugendfreund vor. Dieses Telefongespräch soll Anfang Oktober stattgefunden haben, als sich Valbuena und Benzema gemeinsam auf einem Lehrgang der französischen Nationalmannschaft in Clairefontaine befanden. An diesem Tag sprach Benzema zuerst mit seinem Mannschaftskollegen und setzte ihn über die Existenz des Videos und die Forderungen der Erpresser in Kenntnis. Anschließend telefonierte er mit Zenati und informierte diesen über den Verlauf des Gesprächs mit Valbuena. Allem Anschein nach scheint Benzemas Rolle in der Affäre dann doch relativ eindeutig zu sein, da er als Vermittler zwischen den Epressern und Valbuena auftritt und im Zuge des Telefongesprächs äußert, dass er glaube, dass »er (Valbuena) uns nicht ernst nimmt«. Die Atmosphäre während des Gesprächs wird von den Journalisten als sehr entspannt und locker beschrieben. Andererseits versichert Benzemas Anwalt, dass sein Mandant seinem Kollegen aus der Nationalmannschaft geraten haben soll, sich nicht erpressen zu lassen und nicht zu bezahlen. Aus Kreisen der französischen Nationalmannschaft heißt es ebenfalls, dass Benzema und Valbuena früher dicke Kumpels gewesen sein sollen. Was soll man also glauben?