Frankreich-Spiel: Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik

Die Offensive

Toni Kroos

Traf halb-souverän per Elfmeter zum 0:1 und brachte auch endlich wieder gefährliche Standards in den Strafraum. Außerdem spielerisch deutlich verbessert gegenüber dem Spiel in Amsterdam. Wird als einer der wenigen Arrivierten den personellen Umbruch überstehen.


Leroy Sane

Im Nationaltrikot noch immer wie Jeans-Sakko-weiße Sneaker-Sportjournalisten in TV-Talkshows: zu verkrampft. Zeigt trotzdem in fast jeder Aktion, dass dieses Land irgendwann, wenn er denn weniger fahrig spielt und sich selbst nicht so viel Stress macht, unglaublich viel Spaß an ihm haben sollte. Holte den Elfmeter zum 0:1 raus, war fast auf dem ganzen Platz zu finden, strahlte Gefahr aus. Verdaddelte dann aber die große Chance zum 0:2 mit einem schlampigen Zuspiel. Daher jetzt ein alter Tipp aus dem Zeugniskopf unserer Grundschulklassenlehrerin: Sollte bei der Bearbeitung seiner Aufgaben unbedingt mehr Sorgfalt walten lassen. 


Serge Gnabry

Wäre Serge Gnabry nicht Serge Gnabry sondern ein Trottel wie wir, dann hätte er nie und nimmer mit einem Startelfeinsatz gerechnet, wäre am Montagabend in Paris saufen gewesen, hätte mit wildfremden Leuten und lokalem Ekel-Schnaps unnötig oft angestoßen, am Ende ins Taxi gegöbelt und wäre dann, am Dienstagmittag, 40 Minuten zu spät und mit mordsmäßiger Fahne beim Treffpunkt erschienen. Aber zum Glück ist Serge Gnabry Serge Gnabry und machte seine Sache deshalb katerlos erstaunlich gut. Sollte in Zukunft nicht mehr als Überraschung in der Startelf durchgehen.

Timo Werner

Schnell isser. 


Julian Draxler

Stand gefühlt eine halbe Stunde zur Einwechslung bereit und kam dann auch irgendwie auf dem Platz zu spät. Dabei hätte sich ein filmreifer Abend angeboten: Draxler trifft in seiner neuen Heimatstadt zum Ausgleich! Filmtitel: One Night in Paris - wenn der nicht schon vergeben ist.



Julian Brandt
Es ist nicht recht zu erklären, aber irgendwie traut Bundestrainer Löw dem Leverkusener nur Luft für acht Minuten zu. Brandt kam wieder sehr spät in die Partie und schmiss sich übermütig ins Getümmel. Wie ein Teenager, der zu spät zur Party kommt und alle Spirituosen ext, um auf den gleichen Pegel wie die anderen zu kommen. Ergebnis: ernüchternd - oder eben auch nicht.


Thomas Müller
Hat es sich wirklich ausgemüllert? Der Weltmeister von 2014 kam nur von der Bank und wurde damit wie schon bei der WM in Russland angezählt. Müller ist beileibe nicht mehr derselbe wie noch 2014, er hat einen Anti-Lauf. Doch abschreiben sollte man ihn nicht: Wir haben gelernt, dass seine Läufe - egal in welche Richtung - nicht vorauszusagen sind.