Frankfurt schlägt Bayern auch bei der WM

Das Berlinaco

Haben die Bayern-Spieler das DFB-Pokalfinale noch immer nicht verdaut? Möglich. Denn während die Frankfurter WM-Teilnehmer durchs Turnier fliegen, setzt es für die bayrischen Nationalspieler Niederlage um Niederlage. 

imago

Es gibt sie, diese epischen Niederlagen, nach denen für die Spieler nichts mehr so ist, wie es einmal war. Nachdem etwa Brasilien 1950 das WM-Finale gegen überraschend verloren mit 1:2 verloren hatte, beklagte sich Torhüter Moacyr Barbosa noch 50 Jahre später: »Die höchste Strafe in Brasilien sind 30 Jahre Haft. Aber ich büße nun schon 50 Jahre für etwas, das ich nicht einmal begangen habe.«

Barbosa galt seinerzeit als einer der weltbesten Torhüter, aber dass er den Schuss aus spitzem Winkel des uruguayischen Stürmes Alcides Ghiggia nicht hatte halten können, wollte ihm sein Land bis zu seinem Tod nicht verzeihen. Die Niederlage im Maracana ging als Maracanaca in die Geschichte ein und klebte wie Pech an Barbosa. Noch 1994 wurde ihm der Kontakt zum damals aktuellen Nationaltorwart Claudio Taffarel verboten, ein Verbandsfunktionär soll ihn mit den Worten »Schafft ihn fort, er bringt nur Pech« aus dem Stadion geschmissen haben. Barbosa kam sportlich nie wieder auf die Beine, mehr noch: er blieb Zeit seines Lebens eine Persona non Grata.

Nur zwei Siege für Bayern

So schlimm wird es Mats Hummels aller Voraussicht nach nicht ergehen, aber auch in Deutschland, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, hat es ein eigenartiges sportliches Erdbeben gegeben, dessen Nachbeben noch bei der WM zu spüren sind. Seinen Ursprung scheint es im, nennen wir es, Berlinaco zu haben, also jenem DFB-Pokalfinale, das Eintracht Frankfurt vor knapp vier Wochen sensationell gegen Bayern München gewann.

Die Bayern und Frankfurt gehören zu jenen Teams, die am meisten Spieler für die WM abgestellt haben, der FCB elf, die Eintracht sieben. Es sind jedoch nicht die Bayern-Stars, die in Russland für Furore sorgen, sondern die prinzipiell eher mittelmäßigeren Frankfurter. Mehr noch: Von den elf Bayernspielern konnten bislang nur Corentin Tolisso mit Frankreich und Thiago mit Spanien einen Sieg einfahren, während Robert Lewandowski und James Rodriguez ihre Auftaktpartien mit Polen und Kolumbien vergeigten.

Sieben Bayern verlieren mit Deutschland

Ganz anders die Eintrachtler: Ante Rebic, Doppeltorschütze im Finale, siegte mit Kroatien, Makoto Hasebe mit Japan, der neue Keeper Frederik Rönnow mit Dänemark, Luka Jovic mit Serbien, Gelson Fernandes holte mit der Schweiz ein überraschendes Remis gegen Brasilien und die beiden Mexikaner Carlos Salcedo und Marko Fabian gewannen gegen Deutschland, das stolze sieben Bayern-Spieler im Kader hat, was im Lichte des Berlinaca möglicherweise ein Fehler ist.

Schon scheinen gewisse Schreckensszenarien realistisch, in denen ein demotivierter Mats Hummels in der glücklich erreichten K.o.-Runde das nächste wichtige Laufduell gegen einen vom Pokalsieg beflügelten Ante Rebic verliert, so wie vor vier Wochen im Pokalfinale. Bleibt nur zu hoffen, dass die deutsche Öffentlichkeit dann gnädiger mit Hummels verfährt als Brasilien einst mit Moacyr Barbosa.