Frank Heinemann soll den VfL Bochum beleben

Funny Frisch

Im Pokalspiel gegen den FC Schalke sitzt Frank »Funny« Heinemann als Nachfolger des gefeuerten Marcel Koller auf der Trainerbank des VfL Bochum. Der Interimscoach ist lauter und direkter als sein Vorgänger. Frank Heinemann soll den VfL Bochum beleben Die letzten leeren Bierbecher, die wütende Fans vor den Stadiontoren hinterlassen hatten, wurden am Montagmittag noch zusammengekehrt – der Weg war bereitet für den Neubeginn. Wenn man die Situation beim VfL denn so bezeichnen will. Schließlich ist der Mann, der die Mannschaft kurzfristig aus ihrer »Lethargie«, so Sportvorstand Thomas Ernst, befreien soll, zwar zweifellos »direkter« und »lauter« als sein Vorgänger, wie Frank »Funny« Heinemann selbst sagte, betont wertfrei (»Ich habe mit Marcel Koller über vier Jahre gut zusammengearbeitet und viel von ihm gelernt, aber sicher bin ich ein anderer Typ«).

Wirklich neu aber ist nur seine Funktion: 13 Jahre leistete Heinemann beim VfL die Zuarbeit als Co-Trainer seiner Chefs, von Toppmöller bis Koller.

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Mehr als eine Handvoll Rentner

Jetzt, um 16:19 Uhr, nach einer ersten Ansprache an die Mannschaft, betritt er erstmals als verantwortlicher (Interims-)Coach den Rasen auf dem Trainingsplatz. Den oberen, stadionnahen Platz übrigens, seit langem mal wieder – und seit langem mal wieder vor mehr als einer Handvoll Rentnern.

Das war es dann aber auch mit den sichtbaren Änderungen an diesem spätsommerlichen Montagnachmittag. Die etwa 70 Neugierigen sahen, wie es der stellvertretende Kapitän Christoph Dabrowski hinterher treffend formulierte, ein »ganz normales Training«. Man dürfe in der Kürze der Zeit ja auch »keine Wunderdinge erwarten« von dem Interims-Führungsduo, dem auch Dariusz Wosz, der einst brillante Fußballer und heutige A-Junioren-Trainer des VfL, angehört. Wosz übernimmt zunächst die Rolle des ersten Co-Trainers – weil er »ein Gesicht vom VfL ist« und in der Kabine für „frische Impulse” sorgen soll, sagte Thomas Ernst.

Im Training mischte er kurz selbst mit, nach Aufwärmen und Passübungen beim Spielchen »sieben gegen zwei«. Es folgte wie gewohnt ein Abschluss-Spiel, zehn gegen zehn – mit einer Ansprache des Trainers in der »Halbzeit« vor sitzenden Profis rund um den Mittelpunkt (neu!). Feierabend dann nach gut 70 Minuten, und Heinemann hatte »aggressive« Spieler bei der Arbeit gesehen, wobei Mimoun Azaouagh und Philipp Bönig nur ein paar Laufrunden drehten und Diego Klimowicz gar nicht mitwirkte. Alle drei aber dürften heute spielen können.

»Die Fans wieder auf unsere Seite kriegen«

Das ein oder andere werde er schon bei seinem Debüt ändern, sagte Heinemann: in punkto »Ausrichtung, Aufstellung, System«. Natürlich servierte der 44-Jährige dem Schalker Kollegen Felix Magath nicht 30 Stunden vor dem Anpfiff öffentlich seine Planspiele. Man darf aber annehmen, dass er eine offensivere Gangart anstrebt als zuletzt Koller – wie sonst soll sein Team »die Fans wieder auf unsere Seite kriegen«, wovon er »fest überzeugt« ist?

Denn dass seine Mannschaft »alles geben, aggressiv auf dem Platz sein und alles tun wird, um eine Runde weiterzukommen«, so sein »Versprechen«, ist ja eigentlich selbstverständlich – und auch nicht neu.

Ähnliche Worte hat man von Ex-Trainer und Spielern zuletzt nach jeder Pleite und vor jedem Spiel gehört. Und ob Dabrowski oder Kapitän Marcel Maltritz: Die Profis gaben sich auch nach Kollers Entlassung einmal mehr einsichtig; dass »wir als Mannschaft auf dem Platz die Leistung gebracht haben, die zur Trennung geführt hat”, so Dabrowski; und dass es „an uns liegt, die richtige Reaktion zu zeigen«, so Maltritz.

Ob der Kapitän heute dabei mitwirken darf, ist fraglich. Beim Trainingsabschluss-Spiel, mitunter ein Indiz für die erste Wahl, bildeten Yahia und Mavraj die Innenverteidigung im A-Team. Dazu Torwart Fernandes, Fuchs und Pfertzel, Imhof und Dabrowski, Freier und Grote (die ihren Platz an die wohl gesetzten Azaouagh und Klimowicz verlieren könnten) sowie Epalle.

Im zweiten Abschnitt tauschten Dabrowski und Johansson sowie Pfertzel und Maltritz die Leibchen. Bleibt also Matias Concha, eine Alternative zu Maltritz oder Pfertzel als rechter Außenverteidiger, wie unter Koller nur zweite Wahl? Oder war sein Einsatz in der Trainings-B-Elf eine Finte?

Das jedenfalls wäre wirklich neu beim VfL in dieser Saison.