Franceso Totti will zur WM

Vorläufiger Rücktrittsrücktritt

Der AS Rom ist Achter, die Champions League fern, und alle reden nur von Messi. Da hat sich Francesco Totti überlegt, seinen »endgültigen Rücktritt« zu revidieren und die WM mit Italien anzupeilen. Was aber kommt dann?  Franceso Totti will zur WM Herr Schmidt hat heute seinem Chef gesagt, dass er keine Lust mehr habe, in seinem Laden mitzuarbeiten. Herr Schmidt möchte sich in Zukunft seinem Privatleben widmen, all den Büchern und Schallplatten, mehr fernsehen, täglich 45 Minuten baden, sich dann in Ruhe abfrottieren, sich einen Hund kaufen, ihn Amadeus nennen, spazieren gehen und früh Schlummi machen. Da bleibt keine Zeit für Arbeit, also hat Herr Schmidt gesagt: »Ciao, Chef!«  

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Die Zeiten, als Malocherbarde Gunter Gabriel noch sang: »Hey, Boss! Ich brauch mehr Geld«, ein Lied, dessen Takt Herr Schmidt in seiner Frühphase als Arbeitnehmer auf der Betriebsfeier noch mitwippte, während Frau Schulze aus dem Schreibbüro sich mit billiger Bowle so besoff, dass... ach, diese Zeiten sind vorbei! Heute gibt es keine Gehaltserhöhungen mehr, keine Betriebsfeiern, nicht mal die billige Bowle, man macht immer weiter ohne Pause oder sich doch lieber »selbstständig«.

Herr Schmidt macht nicht weiter. Er war Mitarbeiter des Monats, mehr kann man nicht erreichen, er hat den Ruhm genossen, den Neid, den er im Kopierraum spürte. Nun wieder Büroklammern nach dem Alphabet ordnen? Ohne ihn. Herr Schmidt wird Privatier. Schreibt Briefe an längst vergessene Cousinen, blättert müßig in großzügigen Bildbänden, trinkt Espresso. Ein Schritt auf den Balkon – ahhh. Herbst.  

Doch schon im November merkt Herr Schmidt, dass in der Glotze nur »ARD-Buffet« läuft, er alle Kacheln im Schwimmbad gezählt hat, Museen niemanden locken können, der sich nicht für sie interessiert, und alle anderen arbeiten, während er nun »selbständig« ist. Was soll er bloß unternehmen? Ob er sein Comeback feiern sollte?   

Es ist dieselbe Frage, die sich Franceso Totti, der beliebte italienische Mittelfeldregisseur, zur Zeit stellt. Nach der WM 2006 hatte er seinen Rücktritt aus der Nationalelf erklärt, zunächst »temporär«, wie es hieß. Und heißen sollte das: »Falls ich es mir anders überlege.« Dieser temporäre Rücktritt dauerte so lange, dass die Tifosi vergaßen, sich nach Totti zu sehnen, und so setzte dieser noch ein Fanal, indem er im Juni 2007 theatralisch, wie es so seine Art ist, aus dem temporären einen endgültigen Rücktritt machte. Er könne auf Grund seiner nicht optimalen gesundheitlichen Verfassung die zusätzliche Anstrengung nicht bewältigen. Ciao, Lippi! Und Deziliter von Krokodilstränen flossen den Tiber hinunter.  

Weltmitarbeiter des Monats
 
Das ist nun zwei Jahre her, und irgendwann in den letzten Wochen fragte sich Francesco Totti wohl, wie lange eigentlich so ein endgültiger Rücktritt dauert. Ganz schön langweilig in seinem römischen Kaviar-Loft, Briefeschreiben war nie seine Sache. Frau Blasi ist auf »Geschäftsreise« und die Roma nur Achter, keine Champions League, alle feiern diesen Messi, dabei war ER doch mal Weltmitarbeiter des Monats! Moment! Ist nicht nächstes Jahr wieder WM? Ob er vielleicht sein Comeback feiern soll?

Verflogen sind die Bedenken, auf Grund der Doppelbelastung könnte der Muskel zumachen. Die Kärrnerarbeit der Qualifikation liegt hinter der Squadra Azzurra, nun kommt die Kür. Und die fleischgewordene Kür ist bewiesenermaßen: Francesco Totti.

Das Praktische: Sollte er mit Italien 2010 tatsächlich Weltmeister werden, wäre das der perfekte Moment zurückzutreten. Als Held. Wenn das nicht gelingt, kann er erst recht zurücktreten. Als trauriger Held. Das ganze Leben, eine einzige Chance zurückzutreten.  

Doch was kommt nach dem Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt? Ein weiterer Rücktritt? Irgendwann wird Totti sich der endlosen Wiederholung gleichförmiger Tage gegenüber sehen, aus der man nicht comebacken kann. Das nennt man dann Rente.

Bei Herrn Schmidt sagte der Chef übrigens »Nö« zur Comeback-Idee. Man kann niemanden betrügen, auch nicht die Welt um ihren Sieg.