Fragen an den vierten Spieltag

Mensch Streich

Emre Can verliert seinen Diplomatenstatus, Bruno Labbadia weiß, wie man ein Haus baut und Christian Streich fühlt sich nicht als Deutscher. Wir haben die Antworten zu den großen Fragen dieser Woche.

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Wer regiert die Welt?
Männer natürlich, besonders die Fußballwelt. Der deutsche Nationalspieler Emre Can hat das dankenswerterweise noch mal klargestellt. »Das soll Rot sein? Wir sind doch keine Frauen, ehrlich.« Der 24-Jährige empörte sich über den Platzverweis, den sein Turiner Teamkollege CR7 im Champions-League-Duell beim FC Valencia hinnehmen musste. Seinen Diplomatenstatus hat Can, der vor der WM ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan ablehnte und zur Belohnung nicht ins russische Straflager Watutinki versetzt worden war, damit wieder eingebüßt. Andere kritisierten stilvoller. Eine gewisse Katia Aveiro schrieb auf Instagram: »Sie wollen meinen Bruder zerstören, aber Gott schläft nie.« Und: »Schande über den Fußball – Gerechtigkeit wird kommen.« Geschlechtergerechtigkeit?

Wo geht es wirklich gerecht zu?
In der Bundesliga, findet Kevin Wimmer. »Ich war schon immer ein Fan der Bundesliga«, sagte der Verteidiger von Hannover 96 in einem Interview mit dem »Sportbuzzer«, denn: »Hier kann jeder jeden schlagen.« Der 25 Jahre alte Österreicher muss es wissen, er spielte zuvor in der Premier League bei Tottenham Hotspur und Stoke City. Wimmer weiß: »In England klafft dagegen eine große Lücke zwischen den großen Sechs und dem Rest der Liga.« Und was brutalerweise dazukommt: Vier verschiedene Meister in den vergangenen sechs Jahren! In der Bundesliga undenkbar, denn hier kann ja jeder jeden schlagen. Die Bayern am Sonntag zum Beispiel Schalke. Sogar auswärts.

Wer war mal Maurer?
In der Automobilstadt Wolfsburg gibt es den schönen Fußballlehrer Bruno Labbadia, der so einiges über Fußball weiß, aber noch vielmehr darüber hinaus. Warum sein VfL plötzlich wieder gut kicken kann? »Das ist wie beim Hausbau: Ohne Fundament kann ich kein stabiles erstes und zweites Stockwerk errichten.« Gegen Freiburg wollen die grünen Blaumänner weiter werkeln: Fenster rein, Türen rein, Dach decken. Drei Punkte, mehr nicht.

Wer hat es schön?
Augsburgs Trainer Manuel Baum, insbesondere im Vergleich zu seinem Leverkusener Kollegen Heiko Herrlich, den Baum am Samstag als Tabellenletzten in der Puppenkistenstadt begrüßt. Laut dpa rät Baum: »Es ist wie im Leben auch: Irgendwann muss ich sterben, aber wenn ich die ganze Zeit daran denken muss, dass es irgendwann mal kommt, dann ist mein Leben nicht mehr so schön. Als Trainer sollte man sich nicht Gedanken machen, ob man irgendwann entlassen wird, sondern soll im Hier und Jetzt leben und genießen, was man für einen tollen Job hat und das Beste geben. Auf mehr hast du sowieso keinen Einfluss.« Recht hat Baum – über den Trainer machen sich in Leverkusen eh viele andere Gedanken.

Wo macht’s richtig Spaß?
Mario Erb, Mitspieler von Weltmeister kevin Großkreutz in Uerdingen, findet: »Es ist geil, im Wildpark zu spielen, nicht alltäglich.« Liegt wohl daran, dass der im Wildpark beheimatete KSC darin noch kein Spiel gewonnen hat. Und Gastfreundschaft ist in Zeiten wie diesen ein besonders hohes Gut.

Wer ist Deutscher?
»Ich fühle mich nicht als Deutscher«, sagt Freiburgs Trainer Christian Streich. »Ich bin ein Mensch, der einen Pass hat, in dem deutsch drin steht.« So sind sie, die Badener.