Fragen an den Spieltag (5)

Berliner Masochismus

Ist Berlins Verteidigung masochistisch veranlagt? Kann Hans Sarpei Schalke zum ersten Sieg verhelfen? Hat der Fußballgott auch englische Woche? Und spielt der BVB einfach zu zehnt? Das sind die Fragen (und Antworten) des Spieltags.

imago

Ist Berlins Verteidigung masochistisch veranlagt?

Masochistisch veranlagte Menschen erleben per Definition dann Befriedigung, wenn ihnen Leid zugefügt wird. Wenn man den Erfolg der Berliner Hertha einmal ausklammert und bei den bisherigen Auftritten genauer hinsieht, kommt man nicht umhin, selbstzerstörerische Präferenzen in der Hintermannschaft zu erkennen. Die 1:0-Führung gegen Nürnberg am ersten Spieltag muss derart unbefriedigend gewesen sein, dass Verteidiger Rekik den Akt kurz vor Schluss durch ein Handspiel im eigenen Strafraum aufregender gestaltete.

Beim nächsten Match auf Schalke übernahm Grujic schon früh die Handarbeit im persönlichen Sechzehner. Dritter Spieltag in Wolfsburg, eine knappe Führung bis in die 85. Minute – und erneut eine selbstquälerische Berliner Abwehr. Am vergangenen Spieltag erschien diese masochistische Veranlagung noch immer nicht gestillt, denn mit Niklas Stark brachte wieder mal ein Berliner Verteidiger seinen Gegner in der Box zu Fall. Vier Spiele – vier Elfer gegen die Hertha. Nun geht es nach Bremen. Man kann davon ausgehen, dass es vor dem Berliner Tor heiß hergehen wird, wofür der Bremer Angriff nicht unbedingt den aktiven Part übernehmen muss.

Hat der Fußballgott auch englische Woche?

Vergangene Woche verlor die TSG Hoffenheim unglücklich gegen Düsseldorf, unter der Woche hätte man Donezk besiegen müssen. Dass Ishak Belfodil gegen Dortmund kurz vor Schluss den »Winner« auf dem Schlappen hatte, der den Sinsheimern laut Julian Nagelsmann »mal guttun würde«, diesen jedoch aus zwei Metern übers Tor feuerte, verleitete den Coach anschließend den Allmächtigen im Fußballhimmel anzuflehen: »Ich schicke ein Stoßgebet Richtung Fußballgott. Es wäre gut, wenn er mal wieder über Sinsheim abbiegen würde.« Dieser ließ sich nicht zweimal bitten. Gleich am Sonntagabend gab er sich die Ehre und besuchte einen Rasenplatz in der Sinsheimer Silbergasse, wo die Reserve der TSG gegen die Zweite vom FSV Mainz 05 kickte. Und wie gefordert, ließ der Heilsbringer einen 3:0-Sieg springen. Hätte Nagelsmann mal lieber den Begriff »Hannover« gen Himmel gesandt, dort kickt seine Erste nämlich heute Abend. Amen.