Football Leaks: Warum die kleinen Klubs endlich um ihre Rechte kämpfen müssen

Zeit für Widerstand

Viele Fans reagieren auf eine mögliche Super-League-Gründung mit Achselzucken, weil sie sich ohnehin längst vom ganz großen Fußball abgewendet haben. Doch diese Reaktion ist falsch. Eine europäische Super League betrifft schließlich alle Vereine. 

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Vor gut einem Monat hat der Zweitligist Union Berlin ein Positionspapier vorgelegt, das eine Fülle von Vorschlägen macht, wie der deutsche Fußball verändert werden könnte. Es ging Dabei um Themen wie fanfreundliche Anstoßzeiten oder den Schutz der Klubs vor der Übernahme durch Investoren. Das sorgte damals für kurze Aufregung, allerdings verlor sich bald die Spur, weiter darüber diskutiert wurde nicht. Gladbach Manager Max Eberl etwa fand die Vorschläge zu textlastig: »Es ist doch sehr umfangreich.«

Das gilt auch für die Football-Leaks-Veröffentlichungen, die von einer Titelgeschichte im »Spiegel« am Freitagabend bis zu einer ARD-Dokumentation am Sonntagabend das Wochenende mit Beschlag belegten. Nicht ganz zu Unrecht hat die breitbeinige Inszenierung des Ganzen für einen gewissen Unmut gesorgt. Es ist zwar eine bemerkenswerte Leistung, aus einer gigantischen Menge von Daten die relevanten Informationen zu filtern, aber um die Zahl der Tera- und Petabyte wurde doch etwas viel Geschrei gemacht.

Die Inszenierung der Reporter und des Informanten »John« vor allem in der ARD-Doku war deutlich zu dicke aufgetragen, und ob gerade der von Gazprom-Geldern genährte FC Schalke 04 die richtige Gegengeschichte zu den Aktivitäten der Großklubs erzählte, sei zumindest mal dahingestellt.

Alles egal? Völlig falsch!

Auch hätte es der Geschichte über die klandestinen Plänen zur Gründung einer Super League jenseits der Fußballverbände geholfen, sie klarer in den historischen Zusammenhang einzuordnen. Die Drohung damit hat schließlich eine fast 30 Jahre alte Tradition. Schon die Gründung der Champions League passierte nur, weil große Klubs schon damals mit einer Europa League drohten. Dennoch ist die aktuelle Innensicht spektakulär, weil dadurch nun jedem klar geworden sein dürfte, wie radikal sich die großen Klubs vom Rest abgekoppelt haben.

Viele Fußballfans, die Anhänger von Klubs jenseits dieser Sphären sind, haben aus diesem Grund am Wochenende via sozialer Netzwerke mitgeteilt, dass ihnen das alles genau deshalb egal ist. Denn ihr Fußball habe damit doch nichts mehr zu tun. Das jedoch ist völlig falsch. Eine eigene Europaliga ohne die Uefa organisieren zu wollen, bedeutet nämlich etwa, dass der europäische Fußballverband dort keine Gelder mehr einnehmen kann, die er an kleinere Ligen weitergibt, wie das bisher passiert.

Schon die aktuelle Verteilung der Marketingerlöse zwischen Champions League und Europa League, zwischen großen und kleinen Klubs ist de facto eine Umverteilung nach oben. Und wenn Fifa-Boss Gianni Infantino als Uefa-Generalsekretär dafür sorgte, dass Paris St. Germain und Manchester City munter gegen die Regeln des Financial Fair Play verstoßen durften, erlaubte er ihnen damit Einnahmen, die sonst andere bekommen hätten.