Football Leaks: Dubioser Investor

Wie bei Shakespeare

»Am Ende gewinnt immer die Bank«, sagt der Sportrechtler Antoine Duval. Er hat die Verträge sorgfältig geprüft und kommt zu dem Schluss: »Twente erlag dem Instinkt eines Tieres, es entgegen aller Risiken schaffen zu wollen. Der reine Glaube an den Erfolg führt zu solchen irrationalen Verträgen.«

Twente steckte zum Zeitpunkt des Doyen-Vertrages in finanziellen Schwierigkeiten. Vereine in dieser Lage seien ein leichtes Ziel der Investmentfonds, die mit schnellem Geld locken, sagt Duval. Der Journalist Peter Wekking sagt: »Das Ganze erinnert an Shakespeare, wenn den Schuldnern Fleisch aus ihrem eigenen Körper geschnitten werden soll.«

Weitere brisante Dokumente

Jener Vertrag war zwar höchst zweifelhaft, zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht vom Weltverband verboten. Und vor dem FIFA-Verbot getroffene Vereinbarungen werden nicht verfolgt. Twente hätte eigentlich keine Konsequenzen fürchten müssen. Doch dann wurden noch brisantere Dokumente bei Football Leaks publik.

Demnach gab es bereits einen ersten Vertrag zwischen dem Verein und Doyen vom 27. Dezember 2013, gut zwei Monate vorher. Die Papiere sind in vielen Punkten deckungsgleich, doch tauchen in diesem ersten Vertrag zwei weitere Artikel auf. Und diese haben es in sich, dort steht: »Wenn der Verein sich entschließt, das Angebot NICHT ZU AKZEPTIEREN, trotz der Empfehlung des Fonds (…), so ist der Verein zu einer Zahlung an den Fonds in Höhe der prozentualen Beteiligung des Fonds verpflichtet.« Im zweiten Artikel bestätigt der Verein sogar, dass er sich der »Härte und dem Gewicht der Konsequenzen« dieser Vereinbarung bewusst sei. Das hieße: Der Verein musste an den Fonds zahlen – ob er ein Angebot annimmt oder nicht. Damit wäre klar, dass Investoren die Vereinspolitik beeinflussen könnten.

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Den Verband bewusst getäuscht

Die Dokumente legen einen schwerwiegenden Verdacht nahe: Twente und Doyen haben vermutlich bemerkt, dass jene Vereinbarungen unrecht waren. Sie löschten nämlich offensichtlich jene brisanten Stellen und lagerten sie in einen ebenfalls von Football Leaks veröffentlichten geheimen Anschlussvertrag aus, in dem der Klub Doyen sogar noch eine offizielle Beratertätigkeit sowie die Bildrechte der Spieler zusichert. Der Verband bekam eine Vertragsversion ohne die fragwürdigen Passagen, es sah sauber aus.

Das wäre ein folgenschweres Täuschungsmanöver. Das Vorgehen der Funktionäre in den offiziellen Dokumenten wäre fahrlässig, die Vereinbarungen in den geheimen könnten den Klub aber die Lizenz kosten. Der Verband hat Untersuchungen eingeleitet. Chefermittler Ben Knüppe schreibt auf Nachfrage, dass er die Ergebnisse Anfang März mitteilen und den Stand vorher nicht kommentieren werde. Keiner der Offiziellen und der Spieler von Twente will und darf sich bis zum Ende der Untersuchung äußern, teilt der Klub mit. Die langjährigen Trainer Alfred Schreuder und Youri Mulder erklären, dass sie nie mit Doyen in Kontakt gekommen seien.

»Lasst uns keine Zeit verlieren«

Mittlerweile ist das Engagement von Doyen bei Twente beendet. Am 25. November 2015 unterschrieben Twente und Doyen einen Aufhebungsvertrag. Auch diesen Vertrag veröffentlichte Football Leaks, garniert mit heiklen internen Mails der Doyen-Bosse: »Lasst uns keine Zeit verlieren«, schrieb Geschäftsführer Lucas an diesem Tag an seine Mitarbeiter, »es ist sehr wichtig, dass sie uns noch dieses Jahr und so bald wie möglich etwas zahlen.« Twente zahlte laut der Dokumente noch einmal 3,3 Millionen Euro für die Aufhebung des Vertrages. Für den Klub war es das Ende eines riskanten Spiels, bei dem der Sieger von Anfang an feststand: Doyen Sports.