Flüchtlings-Klub steht in der 1. Liga

Droht der Umzug in eine andere Stadt?

Dabei soll Dalkurds Erstliga-Einzug keineswegs das Ende dieser wunderbaren Fußball-Reise sein, sondern erst der Anfang. Noch bevor der Aufstieg in trockenen Tüchern war, hatte die Klubführung ein mehrstündiges Treffen mit der Stadtspitze abgehalten. Denn Borlänges Stadion »Domnarsvallen« (6.500 Plätze) entspricht nicht den strengen Kriterien der schwedischen Eliteliga – und falls doch, dann wohl nur übergangsweise, für ein Jahr.

Dalkurd FF aber will sich dauerhaft etablieren unter den Topklubs des Landes. Notfalls würde man sogar einen Umzug in eine andere Stadt in Kauf nehmen. »So lange es hier kein geeignetes Stadion für unseren Verein gibt, werden wir uns weiterhin umschauen«, droht Klubchef Ramazan Kizil (57).

Im Herzen immer Kurden geblieben

Sein Sohn, Sportdirektor Adil Kizil, denkt derweil schon an echte Star-Einkäufe: So würde man gern den Ex-Hoffenheimer Jiloan Hamad (26) vom Stockholmer Kultklub Hammarby IF verpflichten. Oder Brwa Nouri  (30), der zurzeit mit dem schwedischen Sensationsklub Östersunds FK in der Europa League für Furore sorgt. Beide, Hamad und Nouri, haben Wurzeln im Irak, wo ihre Familien zur kurdischen Minderheit zählten.

Beide flüchteten mit ihren Eltern und Geschwistern über Umwege nach Schweden und haben jeweils einen schwedischen Pass. Doch in ihren Herzen sind sie immer auch Kurden geblieben. »Natürlich respektieren wir, dass Jiloan und Brwa bei ihren Klubs noch laufende Verträge haben«, sagt Adil Kizil, »aber in Zukunft – wer weiß ...«

Komplett verrückt

Andererseits ist es für einen Klub wie Dalkurd FF, dessen Anhängerschaft sich zu über 90 Prozent aus Migranten speist, nicht einfach, im Konzert der Großen mit zu fiedeln. Bereits 2010 war der FC Syrianska in Schwedens höchste Liga eingezogen. Der Klub aus Södertälje, 1977 von emigrierten und geflüchteten aramäischen Christen aus der Türkei, dem Irak und Syrien gegründet, hielt immerhin drei Jahre lang die Klasse. Letztlich aber mangelte es an Sponsoren, um dauerhaft im Oberhaus mithalten zu können.

Adil Kizil mag das Wort etablieren eh nicht besonders. Er spricht lieber von Entwicklungen und sagt: »Unser Verein muss sich auf allen Feldern weiterentwickeln, um in der höchsten Spielklasse bestehen zu können. Aber das bereitet uns keine Angst. Andererseits wissen wir: Dieses sportliche Abenteuer ist eine gigantische Aufgabe für uns. Es ist eigentlich sogar komplett verrückt.«

Vater Ramazan, der 2009 in der Türkei verhaftet wurde, weil er eine politische Rede in kurdischer Sprache gehalten hatte, setzt auf den riesigen Rückhalt durch die Weltgemeinschaft der Kurden: »In der nächsten Saison werden 40 bis 50 Millionen Menschen auf uns schauen. Das allein ist uns Motivation genug.«