Florenz-Keeper Sébastien Frey

Der Pussymagnet

Enge Unterhosen, Tiger und Buddhismus: 11FREUNDE erklärt, warum Sébastien Frey in Florenz Kult ist, während sein Heimatland Frankreich ihn verschmäht - und warum der Torwart nie zu den Bayern kommen wird. Florenz-Keeper Sébastien FreyImago Als die Fiorentina am Mittwoch bei den Bayern antrat, da sangen sie wieder: »Coi capelli di Frey, quante fiche avrei?« Zu Deutsch: »Wie viele Pussys könnte ich haben mit Freys Frisur?«

[ad]

Sébastien Frey ist eine Kultfigur bei den Florentiner Fans, nicht nur wegen seiner blondierten Strähnchen oder seiner zu Streifen rasierten Koteletten. Dank blitzschneller Reflexe und seiner Nervenstärke in Eins-gegen-Eins-Situationen ist er einer der besten Torhüter in Italiens Serie A. In fünf Jahren Florenz kassierte der Franzose in einer der offensivsten Mannschaften der Liga im Schnitt weniger als ein Gegentor pro Partie und trug dazu bei, dass die Violetten in dieser Zeit rein sportlich vier Mal die Champions-League-Plätze erreichten. »Ich gehöre zu den fünf besten Torhütern der Welt und will der Beste werden«, sagt der 29-Jährige in voller Bescheidenheit über sich selbst.

Mischung aus Markus Pröll und Tim Wiese

An Frey, der aussieht wie eine Mischung aus Frankfurts Markus Pröll und Bremens Tim Wiese, schätzen die italienischen Fans seine offenherzige Prolligkeit. Er sammelt Sportwagen, dreht Ehrenrunden in viel zu enger Unterbuchse, ist auf seiner Homepage mit Tiger abgebildet und wollte sich auch mal einen kaufen, schreibt er in seiner Biografie, die er ganz bescheiden mit 28 veröffentlichte. Dort schreibt er auch, dass er vor allen wichtigen Entscheidungen seine »mamma« anruft. Das kommt an im Land der Muttersöhnchen.



Auch sonst ist Frey, der in Nizza an der Grenze zu Italien aufwuchs, mentalitätsmäßig eher Italiener als Franzose. Schon mit 18 entdeckt ihn die italienische Torhüterlegende Walter Zenga im Kasten des französischen Erstliga-Absteigers Cannes und holt Frey zu Inter Mailand. Seit zwölf Jahren hält er in Italien, erst für Inter, dann für Hellas Verona, Parma und schließlich Florenz.

Doch während er es jenseits der Alpen mit seiner Art zu Kultstatus brachte, hatte er in Frankreich stets einen schweren Stand. Erst mit 27 feiert er sein Debüt in der Équipe Tricolore, im entscheidenden EM-Qualifitkationsspiel gegen die Ukraine. Prompt verschuldet Frey den Ausgleich zum 2:2. Nationaltrainer Raymond Domenech nimmt ihn zwar trotzdem als dritten Torwart mit zur EM 2008, sortiert ihn jedoch kurz danach aus. Frey tritt zurück und sorgt in Frankreich für Empörung, als ihn die italienische Zeitschrift Sportsweek mit den Worten zitiert, in der französischen Nationalelf würden nur Schwarze spielen. Frey dementiert umgehend, dennoch steht die Geschichte stellvertretend für die Entfremdung zwischen Frey und Frankreich.

Dabei war schon sein Großvater André französischer Nationalspieler, sein Vater immerhin Zweitligatorhüter. Mittlerweile spielt aber selbst sein kleiner Bruder Nicolas in Italien, wo man die große Klappe Freys eher zu nehmen weiß. Dabei kann der 29-Jährige auch anders: Nach einer schweren Schienbeinverletzung ist er zum Buddhismus konvertiert, mit dem ihn der ehemalige Fiorentina-Spieler Roberto Baggio vertraut machte.

Im Gespräch bei Bayern, Barcelona, ManU - dank seinem Berater

Mit transzendenter Gewissheit hatte Frey denn auch ein Champions-League-Duell mit den Bayern vorausgesagt. »Mit denen haben wir seit der Niederlage vor einem Jahr eine Rechnung offen«, sagte er in der Gazzetta dello Sport. Dabei ist Frey selbst kein Unbekannter bei Bayern München: In regelmäßigen Abständen ist er als Neuzugang beim Rekordmeister im Gespräch. Was allerdings weniger mit seiner Klasse zu tun haben dürfte als mit der Geschwätzigkeit seines Beraters Giovanni Branchini. Der brachte Frey schon in der spanischen Zeitung El Mundo Deportivo beim FC Barcelona ins Gespräch und zuletzt in der Daily Mail bei Manchester United.

Dass Frey wirklich wechseln sollte, ist indes unwahrscheinlich. In seiner Biografie schreibt er: »Die Fiorentina hat mir einen meisterhaften Vertrag gegeben, ich bin Topverdiener und würde gerne bis Vertragsende 2013 bleiben. Ich habe einen Pakt mit der Fiorentina geschlossen und möchte ihn respektieren.«