Findet Hertha-Talent Dilrosun gegen Deutschland zurück in die Spur?

Jeff weint nicht

Javairo Dilrosun hat einen rasanten Sommer hinter sich: Aus der U23 von Manchester City in die Bundesliga zu Hertha, danach über U21 der Niederlande in den A-Kader der Elftal. Doch in Berlin macht man sich langsam Sorgen: Hält der Junge dem Druck stand?

imago

Manchmal geht es den Holländern auch nicht besser als uns Deutschen. Am Freitag vor einer Woche war Javairo Dilrosun per Skype aus seinem Hotelzimmer in Düsseldorf in eine Fußballsendung des holländischen Fernsehsenders NOS zugeschaltet, und die erste Frage, die der Moderator dem Offensivspieler von Hertha BSC stellte, war die, ob er seinen Namen auch richtig ausgesprochen habe.

Javairo Dilrosun, geboren in Amsterdam, fußballerisch ausgebildet bei Ajax, ist in seiner Heimat sogar noch ein bisschen unbekannter als in Deutschland. Aber das könnte sich bald schon ändern. Erst vor einem Monat gab der 20-Jährige sein Debüt für Hollands U-21-Nationalmannschaft und erzielte gleich ein Tor. Am Montag gegen Deutschland im letzten Gruppenspiel der Nations League könnte er bereits für die A-Nationalmannschaft auflaufen.

»Weinen musste ich nicht«

Dilrosun hat von seinen Eltern von der Berufung erfahren. Sie haben Zugriff auf seinen E-Mail-Account und ihn am vergangenen Freitag angerufen, als er gerade bei Hertha in der Kabine saß. Sie weinten vor Freude. »Gerührt war ich auch, aber weinen musste ich nicht«, hat Dilrosun erzählt. »Trotzdem war es ein sehr schöner Moment für mich.« Seine Eltern und seine Oma Liesbeth werden am Montag in Gelsenkirchen auf der Tribüne sitzen.

Aber nicht nur für die Familie Dilrosun, auch für den holländischen Fußball insgesamt besitzt die anstehende Begegnung eine große Bedeutung. Sie bietet der Elftal die Chance zur Rehabilitierung, nachdem sie sich zuletzt weder für die EM- noch für die WM-Endrunde qualifizieren konnte. Dass Dilrosun in solchen Spielen dabei sein darf, ist zwar auch dem Notstand auf seiner Position geschuldet; es ist aber auch Ausdruck einer gewissen Wertschätzung, die er sich in den vergangenen Wochen erarbeitet hat. »Die Chance ist da, dass er Minuten kriegt«, sagt Bondscoach Ronald Koeman über den jungen Spieler der Berliner, der der elfte Debütant seiner noch kurzen Amtszeit werden könnte. »Ich bin neugierig.«

Als Dilrosun 16 war, wechselte er von Ajax in die Jugend von Manchester City. In seiner Heimat verschwand er damit komplett vom Bildschirm, und erst in den vergangenen Wochen tauchte er dort wieder auf - dank seines Kickstarts in der Bundesliga. Sollte Dilrosun für Oranje debütieren, wäre er der vierte Nationalspieler nach Jordi Cruyff, Jerrel Hasselbaink und Rob Reekers ohne vorherigen Einsatz in der heimischen Ehrendivision.