Filmkritik: Nationalelf-Doku »Die Mannschaft«

Volksnah und doch so fern

Bemerkenswert bleibt am Ende, mit welchem Selbstbild der Nationalmannschaftstross mittlerweile durch die Welt reist. Da lobt man sich einerseits in hohen Tönen selbst für den oft gesuchten Kontakt zur heimischen Bevölkerung und die Nähe zu den einfachen Bürgern der Region. Dazu gibt es schöne Tanzszenen mit Indianern, High Fives mit Schulkindern, wenig später sieht man aber auch, wie die Militärpolizei in Schildkrötenkostümen die Bevölkerung mit deutlichen Gesten von der Mannschaft abschirmt. Bizarrer Höhepunkt: An einem trainingsfreien Nachmittag suchen Thomas Müller, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger schließlich Zerstreuung bei einer Partie Golf – zum Ressort werden sie natürlich – ganz volksnah – mit einem Helikopter geflogen. Als Schweinsteiger dann auch noch Sepp Blatter persönlich dankt, dass er die WM nach Brasilien gebracht hat, ist man kurz davor, aus dem Sessel zu kippen.

Das perfekte Geschenk

Doch Stopp, es ist nicht alles bedenklich. Einerseits sollen die Einnahmen des Films zu großen Teilen in wohltätige Projekte des DFB fließen, andererseits hat die Doku ihre großen Stärken, wenn sie die Spiele und Tore der Nationalelf noch einmal Revue passieren lässt. Mit viel Tamtam, Streichern und Basstönen wird jede Ballberührung zum Heldenbild erhoben. So kommen zwangsläufig Emotionen hoch, die man vier Monate nach dem Turnier schon fast wieder vergessen hatte. Und die jedem, der die WM erlebt hat, unweigerlich einen Klos in den Hals flanken werden. Das macht den Film, sollte er denn eines Tages auf DVD und Blu-Ray erscheinen, zum gängigen Mitbringsel für Leute, bei denen man nie so genau weiß, was man ihnen eigentlich schenken soll. Einen Kinobesuch kann man sich deswegen eher sparen.

P.S: Vielleicht gibt es doch noch eine zweite Szene, in der man der Mannschaft ganz nah kommt. Für beruhigende 25 Sekunden zeigt die Kamera Bastian Schweinsteiger. Er sitzt auf dem Beifahrersitz eines Transporters. Wieder ist es dunkel. Wieder glänzen die Sterne vom Himmel. Schweinsteiger, das Symbolbild für Kampfkraft und Wille bei diesem Turnier, ringt gegen die eigene Müdigkeit. Seine Augen fallen zu, sein Kopf sackt immer wieder nach unten. Und irgendwie möchte man es ihm spontan gleichtun. Nicht gerade ein Gütesiegel für einen Film.