FCI-Greenkeeper Sepp Lindermayer über den perfekten Rasen

»Diese Muster sind uns zu exzentrisch«

Interessiert sich der allgemeine Profi dafür überhaupt?
Insgesamt muss man sagen, dass die Trainer und Spieler sehr sensibilisiert für die Rasenpflege sind. Wenn ihnen etwas nicht passt, dann sagen sie uns das.

Nach dem Motto: »Sepp, am Sonntag kommen die Bayern. Lass die Arbeit nächste Woche mal liegen«?
(lacht) Das kommentiere ich jetzt lieber nicht, aber gegen bessere Gegner gibt es natürlich schon den Gedanken dem Gast nicht unbedingt einen Vorteil zu verschaffen. Und je gepflegter der Rasen, desto gepflegter das Spiel – ist doch klar. In den vergangenen Wochen hat man das übrigens in Madrid gesehen. Da haben die Greenkeeper von Atletico vor den Topspielen die letzte Wässerung versäumt und sofort wurde der Platz stumpfer. Keine gute Grundlage für ein genaues Passspiel.

In diesem Jahr wurden Vorwürfe gegenüber den Platzwärten vom SV Darmstadt 08 und Hertha BSC laut, deren Plätze in einem miserablen Zustand waren. Was haben die Kollegen da falsch gemacht?
Gar nichts. Da muss ich wirklich eine Lanze brechen, denn oft werden die Nebeneffekte medial unterschlagen. Wenn, wie in diesen Fällen, mehrere Heimspiele direkt hintereinander bei wittrigen Bedingungen ausgetragen werden, die Stadionarchitektur zudem recht offen ist und – wie in Darmstadt – die Mannschaft im Winter aufgrund fehlender Rasenheizungen auch noch auf dem Hauptplatz trainieren muss, betreibt der Greenkeeper nur noch Schadensbegrenzung.

Besser machte es zuletzt der Groundsmen von Leicester City...
Ah ja, den kenne ich. Ein leidenschaftlicher Musterfan, das ist wirklich speziell. Aber natürlich auch ein Markenzeichen. Uns ist das etwas zu exzentrisch und Schiedsrichter sowie Spieler sind vielleicht auch abgelenkt, deshalb verzichten wir auf solche Experimente. Aus handwerklicher Sicht würden wir das aber sicher auch auf den Ingolstädter Rasen zaubern können.

Konkurrenzkampf scheint es in Ihrer Berufssparte nicht zu geben.
Ganz im Gegenteil. Wir haben je einen von 36 Traumjobs in der Bundesliga. Unsere Arbeit wird jede Woche von einem Millionenpublikum begutachtet, weshalb wir uns mehrfach im Jahr treffen und uns auf Fortbildungsseminaren gegenseitig helfen. Zurück in Ingolstadt greife ich dann gerne zum Hörer und tausche mich mit den Kollegen aus, wenn ich ein neues Düngemittel ausprobieren möchte, das die Münchener schon seit Monaten nutzen.

Am Samstag kommt ausgerechnet der FC Bayern. Wie sieht es denn aus: haben Sie die Arbeit vernachlässigt oder dürfen wir uns vielleicht auf ein neues Muster freuen?
Gegen die Bayern wollen wir unseren Rasen bestmöglich präsentieren, gar keine Frage. Aber hier in Ingolstadt halten wir seit Jahren die Tradition aufrecht, sofern es für beide Mannschaften sportlich nicht mehr relevant ist, am letzten Heimspieltag noch etwas Besonderes zu kreieren. Wir haben da auch schon so eine Idee…

… kleiner Tipp?
Kreise.