FC Bayern verschiebt Meisterfeier

Dann halt nächsten Sonntag

Nach dem 4:1 über die entthronten Stuttgarter fehlt dem FC Bayern nächsten Sonntag in Wolfsburg noch ein Punkt zur Meisterschaft. »Nun kann uns nichts mehr passieren, es sei denn die Meisterschaft wird eingestellt« jubelte Hitzfeld. FC Bayern verschiebt Meisterfeierimago images
Noch ist die Meisterschaft offen, mahnen vermutlich die Gelehrten, trotz des 4:1 der Bayern gegen den VfB Stuttgart. Meister werden konnten die Münchner am Sonntag wohl wirklich nicht nach den Punktgewinnen der Konkurrenz am Tag zuvor, doch das hat sie nicht sonderlich gestört. Nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte, an der vor allem die spät eingewechselten Ribéry und Zé Roberto ihren Anteil besaßen, drehten sie gegen den entthronten Titelverteidiger eine muntere Partie und liegen bei vier noch ausstehenden Spielen mit zwölf Zählern und dem deutlich besseren Torverhältnis weiter uneinholbar vorn. Somit feiern die Bayern dann offenbar nächste Woche in Wolfsburg den Titel, was einigen ihrer Profis vielleicht sogar ganz recht ist. Denn schon bei einem Remis müsste ihnen dort der bei ihnen nicht sonderlich beliebte VfL-Trainer Magath, der sie bis Ende Januar 2007 befehligte, gratulieren. »Nun kann uns nichts mehr passieren, es sei denn die Meisterschaft wird eingestellt«, sagte hinterher Magaths äußerst aufgeräumter Nachfolger Ottmar Hitzfeld.

[ad]

Van Bommels Freistoßtor

Weshalb die Bayern eher früher als später ihre 21. Meisterschaft feiern werden, ist allen noch einmal vor dem Anpfiff klar geworden. Denn sie die besitzen einfach den mit Abstand besten Kader, der es Hitzfeld am Sonntag erlaubte, Ribéry ebenso zu schonen wie Zé Roberto, Lahm und Lúcio, die beide nicht mal auf der Bank saßen. Ottl, van Buyten, Lell und Sagnol rückten in die Startelf, in der verblüffenderweise auch Klose auftauchte. Dabei hatten die Ärzte bei ihm nach dem Halbfinal-Hinspiel im Uefa-Cup gegen St. Petersburg einen Trümmerbruch im Nasenbein entdeckt. Der Nationalstürmer verzichtete trotz des wichtigen Rückspiels an diesem Donnerstag auf eine Pause. Torhüter Kahn dagegen hatte seinen Verzicht wegen eines eingeklemmten Nervs frühzeitig mitgeteilt: Er fehlte am Samstag beim Training.

Die Münchner begannen die Partie nicht wie eine B-Elf, sondern wie eine Mannschaft, die rasch Meister werden will. Klose sah zwar wie ein Preisboxer aus mit seinem tiefblauen Veilchen am rechten Auge, trotzdem ging er vorne unbekümmert in die Zweikämpfe. Beim Leidensgenossen van Bommel, der ebenfalls die Nase angeknackst hat, ist dies sowie selbstverständlich, und diesmal leistete der Holländer zusätzlich das 1:0 ein. Als Jansen links einen Partner suchte, startete er in die Gasse und brachte den Ball in den Fünf-Meter-Raum, wo Delpierre Wache schob. Doch der Franzose leistete sich einen folgenschweren Fauxpas und bediente mit seinem Abwehrversuch den selbstverständlich lauernden Mittelstürmer Toni - der Italiener schob aus kurzer Distanz mit seinem schwächeren linken Fuß ein (8.). Sein 21. Saisontreffer.

Das 1:0 besaß jedoch eine seltsame Wirkung. Plötzlich gewannen die Stuttgarter die Mehrzahl der Zweikämpfe, vor allem Kapitän Pardo erarbeitete dem VfB dieses Übergewicht. Nach der Balleroberung suchten die Schwaben dann ziemlich schnörkellos den Weg in den Strafraum, wo Gomez trotz zweiwöchiger Verletzungspause gleich wieder eine enorme Präsenz ausstrahlte. Nach einem Doppelpass mit Cacau prüfte er zunächst Torwart Rensing (16.); später rettete der erneut herausragende Abwehrchef Demichelis vor dem deutschen Nationalspieler, den Referee Meyer zudem - und zwar kurz vor der Münchner Führung - fälschlicherweise im Abseits gewähnt hatte.


Auf der nächsten Seite: Der Ausgleichstreffer für Stuttgart, Bayern wird in der zweiten Hälfte lebendig und die Franck-Ribéry-Festspiele.

Der angemessene Ausgleich fiel nach einer Standardsituation, bei denen die Bayern mehrfach so ihre Schwierigkeiten hatten. Da Silva zirkelte einen Freistoß aus rund 25 Metern herein, vor Rensing hielt van Bommel seinen Lockenkopf hin - ein fast so schönes Eigentor wie jenes von Lúcio gegen St. Petersburg (19.). Die Stuttgarter verdienten sich diesen Spielstand darauf, Tascis Kopfball nach einem Freistoß von Magnin (der dann mit Bänderdehnung ausschied), Hilberts auf der Latte endender Flankenschlag (23.) und Cacaus Distanzschuss (35.) hätten sogar fast das 1:2 gebracht.

Die Bayern dagegen hielten sich bis zur Pause nur noch einmal aussichtsreich im Strafraum auf (Ott/26.) - sie ließen sich einfach zu sehr zurückfallen. Auch eine Folge der vielen Ballverluste von Sagnol, Lell, Schweinsteiger und van Buyten. Der Qualitätsunterschied zu den Stammkräften machte sich jetzt eben doch bemerkbar, und nachdem Sagnol nach Wiederbeginn eine seiner uninspirierten Halbfeldflanken ins gegenüberliegende Seitenaus gesetzt hatte, pfiffen sie den mit der Kapitänsbinde ausgestatteten Franzosen verärgert aus.

Franck Ribéry trifft zweimal

Für Unterhaltung war dennoch gesorgt, denn auf einen mickrigen Punkt spielten beide Teams nach der Halbzeit nicht - auch die Bayern. Wahrscheinlich lag das ja an Ribéry, der sich draußen bereits warm lief. Und als Hitzfeld ihn und Zé Roberto herbeiwinkte, legte sich gerade van Bommel den Ball zurecht. Sein gewaltiger Freistoß setzte vor Schäfer noch tückisch auf, weshalb der VfB-Keeper eher machtlos wirkte (55.). Das letzte direkte Freistoßtor hatte für Bayern übrigens ein gewisser Michael Ballack erzielt, im Januar 2006 war das.

Zur Belohnung durfte der Torschütze gleich Feierabend machen, neben ihm ging - unter Buhrufen - der unter deutlichem Formrückstand leidende Ersatzkapitän Sagnol; nun trug Schweinsteiger die Kapitänsbinde. 20 Minuten gestalteten die mutigen Stuttgarter die Partie noch offen, Pardo (62.) und Bastürk (63.) versuchten es aus der Distanz.

Doch dann hob Ribéry den Vorhang und entschied innerhalb einer Minute das Spiel. Zunächst traf er mit einem traumhaften Rechtsschuss in den Winkel, und als die Menschen auf den Rängen immer noch mit amouröser Zuneigung seinen Namen riefen, erhöhte der Franzose mal eben auf 4:1: Nach einem Abschlag von Rensing lief er auf Delpierre und Osorio zu, der nach Ribérys Haken-Linksschuss-Kombination wohl unter einem Drehwurm litt. Nach dem Abpfiff feierten die Münchner und ihr Publikum auch ohne Weißbiergläser ausgelassen, als sei es bereits vollbracht. Gelehrte halten sie vermutlich für überschätzt.