Favre beim BVB? Fühlt sich so an

Stell Dir vor!

Dass Borussia Dortmund Lucien Favre holt, ist ein Glücksfall für die Bundesliga. Trotzdem hat die Verpflichtung etwas dramatisches.


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Stell Dir vor, Deine Ex-Freundin zieht bei Deinem Nachbarn ein. Der ist: schlauer, schöner, reicher, erfolgreicher, lustiger und überhaupt alles als du. Ja, Deine Freunde sagen, Deine Familie sagt: Stimmt gar nicht, und dass Du mindestens mithalten könntest. Und überhaupt, was wäre schon Geld im Vergleich zu Deiner Herzlichkeit?! Das ist nett gemeint, aber Du weißt, dass es auch Quatsch ist. Du kannst das schon einordnen, ohne Dir ständig einreden zu müssen, ein Versager zu sein. Gibt halt immer jemanden, der es besser hat als man selbst. Das gilt sogar für Deinen Nachbarn.



Stell Dir vor, Du findest es noch immer schade, dass Deine Ex-Freundin Dich damals verlassen hat. Ihr habt euch ja nicht einmal gestritten, vor zwei Jahren und inzwischen 244 Tagen. Ihr hattet einfach nur einen schlechten Monat. Ein paar uneingelöste Erwartungen, nichts Schlimmes. Im Fußball würde man sagen: Ergebniskrise. Du wolltest nicht, dass sie geht, aber sie zog einfach aus. Zu viele Zweifel daran, dass es wieder würde.

Beschissen! Grandios!

Stell Dir vor, Du hättest einfach weitergemacht, weil man das so macht: weiter, immer weiter. Irgendwann hätte Dir jemand erzählt, dass es Deine Ex-Freundin nach Frankreich verschlagen hätte, und wie gut es ihr dort ergeht. Du hättest Dich für sie gefreut. 

Stell Dir vor, Du bist Borussia Mönchengladbach, Lucien Favre ist Deine Ex-Liebschaft und zieht nun nebenan ein. Was für ein beschissenes Gefühl! 



Stell Dir vor, Du bist der Rest der Liga, oder gar Anhänger von Borussia Dortmund. Denn dann: herzlichen Glückwunsch. Was für ein grandioses Gefühl!



Wenn nur diese Ausnahmen nicht wären

Es gibt so verdammt viele Analysen und Meinungen über den vermeintlichen oder tatsächlichen Einfluss der Trainer. Die einen sagen, ihr Wirken sei überbewertet. Am Ende nämlich spiele es statistisch gesehen kaum eine Rolle, ob man Trainer x durch Trainer y ersetze, es gleiche sich über die Zeit alles an, und nur anfänglich seien gravierende Unterschiede zum abklingenden Ende des Vorgängers auszumachen.

Andere wiederum sagen: Wenn es im Fußball nur auf die Kleinigkeiten ankommt, dann doch gerade auch auf den Trainer! Seine taktische Idee, seine Menschenführung, seine Trainingssteuerung. 

Am Ende haben beide Recht. Das Gros der Trainer ist wie das Gros aller Menschen, so traurig das für jeden Einzelnen auch anmuten mag: austauschbar. Andererseits ist das ja auch das Schöne am Fußball: dass es nicht die Einzelnen sind, die das Ganze ausmachen, sondern die Summe der Teile. Und dass es also ok ist, dass Einzelne austauschbar sind, die Gemeinschaft aber nicht. 

Wenn nur diese Ausnahmen nicht wären: Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Tobias Werner…