Faustkampf in der Kreisliga

Disch! Disch! Disch!

Stern Marienfelde – FC Al Kauthar, Erster gegen Dritter, Spitzenspiel in der Berliner Kreisliga A. Die Nerven liegen Blank, in der Schlussphase kommt es zu wüsten Prügeleien. Wer hat zuerst geboxt? Stern? Al Kauthar? Oder alle?

Kurz bevor der Schlusspfiff in der Idylle von Marienfelde ertönt, fliegen noch einmal die Fäuste. „Disch, disch, disch!“, sagt Mohamed Iraqi, 43, und deutet damit drei Schläge an: „Der hat so schnell geboxt wie ein Roboter!“ Disch, disch, disch.

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Iraqi ist seit 1989 Präsident des libanesischen Klubs Al Kauthar, der einst in Neukölln gegründet wurde. Iraqi war auch am vergangenen Sonntag dabei, als einer seiner Jungs vom Innenverteidiger von Marienfelde attackiert wurde. „Wir sind gegen Gewalt“, betont Iraqi. Allerdings war er, der Präsident, vor sieben Jahren selbst in eine wüste Prügelei verwickelt und musste nach eigener Aussage „20 000 Euro Schmerzensgeld und Anwaltshonorar“ zahlen. Sein Klub steht in diesen Tagen übrigens eh schon vor dem Sportgericht, weil es neulich bereits mächtig Ärger gegen Lichtenberg gab. Sind sie alle also wirklich so unschuldig und brav?

In Marienfelde herrschte an diesem Sonntag tolle Stimmung: Es gab Glühwein, Bier und Knacker. Die Sonne schien. Al Kauthar war Dritter, Stern Erster. Ein echtes Spitzenspiel!

Das Spiel war rasant: Kurz vor der Pause fiel das 1:0 und 2:0, nach Wiederanpfiff das 3:0 und in der 88. Minute das 4:0 – eine Blamage für Al Kauthar. Bei so einem klaren Ergebnis für die eigene Mannschaft schlägt keiner grundlos zu, nicht 60 Sekunden vor Abpfiff. Oder etwa doch?

„Das Spiel wurde hektischer“, erinnert sich Stern-Präsident Markus Glasenapp. Die beiden Spieler führten harte Zweikämpfe, die ersten Sprüche gegen den Stern-Spieler seien gefallen, „der hat ihn bespuckt, widerlich“, sagt Glasenapp. Nach dem Revancheschlag seien „Leute von außen“ auf den Rasen gerannt, er habe von „gezückten Messern“ gehört und „zehn, zwölf Araber“ gezählt, die mit ihren Gürteln bedrohlich herumgefuchtelt hätten – was Iraqi allerdings, irgendwie erwartungsgemäß, anders sah. Am Ende stand jedenfalls wieder die Polizei auf dem Rasen.

Ab heute darf sich das Sportgericht des Fußballverbandes um das Spiel in Marienfelde kümmern. Für die Herren ist es Routine. Zwölf Partien wurden in dieser Saison bisher abgebrochen, in der vergangenen waren es insgesamt rund 80. Zugegeben, 80 von 32 000 Fußballspielen in Berlin pro Jahr. Das ist nicht viel. Aber auch nicht lustig.

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