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Faschistische Symbole auf kroatischen Fanfesten

Gefährliche Mischung

Als Kroatien ins WM-Halbfinale einzog, mischten sich unter die Fans vielerorts auch Menschen, die die Symbole der Ustascha-Diktatur schwenkten. Alles Faschisten? Ganz so einfach ist die Sache nicht. 

imago

Kurz nachdem Ivan Rakitic den entscheidenden Elfmeter flach, links in das Tor von Igor Akinfeev geschossen hatte, mit ausgebreiteten Armen nach rechts abgedreht und schließlich unter dem jubelnden Haufen seiner Mitspieler verschwunden war, starteten die Autokorsos. In jeder größeren deutschen Stadt, ob München oder Berlin, Hamburg oder Stuttgart, feierten die kroatischen Fans, dass die Nationalmannschaft in ein WM-Halbfinale eingezogen ist, zum zweiten Mal in der Geschichte. Hupende Autos, brennende Bengalos und singende Fans eingehüllt im rot-weißen Schachbrettmuster, doch dazwischen tauchten, immer wieder gut zu erkennen, Symbole des faschistischen Ustascha-Regimes auf.

Die Ustascha kam 1941 mithilfe des NS-Regimes in Kroatien an die Macht und errichtete eine totalitäre, faschistische Diktatur, die unter anderem für den Genozid an Juden, Roma und Serben verantwortlich war. In den Menschenmengen nach dem Viertelfinalsieg waren auf vielen Festen kroatische Flaggen mit einem U zu sehen – das Symbol des Regimes. »Das ist so, als würde auf einem deutschen Fanfest jemand mit der Hakenkreuz-Fahne rumlaufen und keiner stellt sich dem entgegen«, sagt Dario Brentin, der an der Uni Graz zu Nationalismus und Fußball forscht und sich insbesondere auf Südosteuropa spezialisiert hat. »Man sieht die Symbole während der WM sehr häufig«, sagt Brentin.

Der Ustascha-Gruß in der Kabine

Sportlich ist die kroatische Mannschaft eine der positiven Überraschungen des Turniers. Schöner, leidenschaftlicher Fußball zwischen Traumpass und Monstergrätsche - jedes Spiel der Kroaten ist ein Ereignis. Doch abseits des Platzes sind Debatten über Nationalismus im Nationalteam ständiger Begleiter: Das Lied der Rechtsrock-Band Thompson, das in der Kabine rauf und runter läuft und mit dem Gruß der Ustascha beginnt: »Za dom – spremni!«, übersetzt: »Für die Heimat – bereit«, stand meist im Mittelpunkt dieser Diskussion.

Brentin sagt: »Das Problem ist, dass Thompson in Kroatien politischer Mainstream ist. Es gab kaum kritische Stimmen in Kroatien. Der Tenor in den Medien, zum Video in dem Dejan Lovren dieses Lied singt, war hauptsächlich: ‚So schön feiert unsere Mannschaft’«. In der Vergangenheit waren bei Spielen der Nationalmannschaft sehr häufig Symbole des faschistischen Regimes zu sehen. Fangesänge wie »Auf geht’s Ustascha« und Ustascha-Flaggen waren alltäglich. Als sich die Kroaten für die WM 2014 qualifizierten, brüllte Josip Simunic: »Za dom!« in das Mikrofon, Tausende antwortete im Stadion: »Spremni!« Die Fifa sperrte Simunic für die WM, seitdem gibt es in den rechtsradikalen Teilen der kroatischen Kurven eine Selbstzensur. »Das heißt aber auf keinen Fall, dass die Leute und die Ansichten verschwunden sind«, sagt Brentin.