Fans und ihre kuriosen Rituale am Spieltag

Ist das nun alles törichter Aberglaube?

Ist das nun alles törichter Aberglaube oder doch, wie Raimund Herbers von den »Emsland-Fohlen« ausgeführt hat, echter Glaube? Die Antwort darauf ist ganz simpel. Wenn es hilft, ist es Glaube. Wenn nicht, bloß Aberglaube.  

Um das zu illustrieren, reisen wir noch mal zurück nach Hamm zu Kai Wisznewski, dem Schalker, der seine Kastanie verlor. In diesem Sommer tauchte die Nussfrucht unerwartet wieder auf, in einer alten, fast vergessenen Geldkassette. Einen Moment betrachtete Kai das gute Stück und ließ seinen Finger über die Stelle gleiten, an der die Kastanie schon ausgebuchtet war, weil er so oft seinen Daumen an ihr gerieben hatte. Sollte er das gute Stück nach acht Jahren wieder in Gebrauch nehmen? Nein. Erstens würde die Kastanie ihn immer nur an das bittere 3:3 in Dortmund erinnern. Zweitens war Schalke nun in guten Händen. Mit Markus Weinzierl auf der Bank und Christian Heidel in der Chefetage sah die Zukunft auch ohne Talisman rosig aus. Wisznewski warf die Kastanie in die Lippe.

»Deswegen wusste ich, dass uns nichts passieren kann.«

Schalke verlor das erste Spiel der neuen Saison. Und das zweite. Dritte. Vierte. Fünfte. »Kurz vor dem Spiel gegen Gladbach habe ich meinen 14 Monate alten Sohn Theo zur Kita gebracht«, sagt Kai. »Der Weg führt durch den Park. Plötzlich beugte sich Theo runter, hob etwas auf und gab es mir. Es war eine Kastanie. Sie war genauso ausgebeult wie meine alte. Ich habe eine Gänsehaut bekommen.« Schalke schlug Gladbach 4:0. 

Drei Wochen später traten die Knappen im Pokal beim 1. FC Nürnberg an. Zur Pause stand es 3:0 für Schalke, doch nach dem Wechsel kamen die Gastgeber auf. Innerhalb von zehn Minuten verkürzten sie auf 2:3. Die Fans der Königsblauen begannen zu zittern. Nur einer von ihnen blieb ganz ruhig. »Ich hatte die neue Kastanie dabei,« sagt Wisznewski. »Deswegen wusste ich, dass uns nichts passieren kann.«