Fan-Wut trifft Müller mit voller Wucht

»Das tut weh«

Die Wucht der Fan-Wut erschreckte auch Andreas Müller. »In dieser Schärfe gab es das noch nie«, sagte der Manager von Schalke 04, der bei der bitteren 0:2-Pleite gegen Manchester City Volkes Zorn zu spüren bekommen hatte. Fan-Wut trifft Müller mit voller WuchtImago Die »Müller raus«-Rufe, die zaghaft in einer Ecke begonnen und am Ende die gesamte Arena erfasst hatten, hinterließen Wirkung: »Das tut weh.« Der Fan-Protest gegen den Manager entzündete sich an einem Spiel, dass schonungslos die Krise des selbsternannten Titelanwärters aufzeigte.

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Die zweitteuerste Mannschaft der Bundesliga, von Müller seit seinem Amtsantritt als Nachfolger von Rudi Assauer im Mai 2006 mit Einkäufen für 32,5 Millionen Euro und vielen hochdotierten Verträgen zusammengestellt, legte mit einer erschreckend leblosen Vorstellung den sportlichen Offenbarungseid ab. Die aufgebrachten Fans in der Nordkurve wedelten angesichts des emotionslosen und ideenlosen Gekickes der »Söldner-Truppe« und der stümperhaften Fehler bei den Toren von Benjani Mwaruwari (32.) und Stephen Ireland (66.) mit Geldscheinen.

»Es geht nicht um Meier, Müller oder Schulze, sondern um Schalke«


Währenddessen bekam Müller auf dem Rasen vorgeführt, was seine umstrittene Einkaufspolitik der letzten zweieinhalb Jahre bewirkt hat. Von den eigenen hohen Ansprüchen ist Schalke 50 Jahre nach der letzten Meisterschaft meilenweit entfernt. Die geballte Kritik werde er aushalten, versicherte der 45-Jährige, der vor elf Jahren noch als einer der legendären »Eurofighter« beim sensationellen UEFA-Cup-Triumph gefeiert worden war. »Es geht nicht um Meier, Müller oder Schulze, sondern um Schalke«, sagte er, »ich mache nur meinen Job - so gut es geht.«

Die Frage, ob die Fan-Proteste für ihn Konsequenzen haben könnten, wollte Müller, mit einem Vertrag bis 2011 ausgestattet, nicht beantworten: »Diese Entscheidung kann doch ich nicht treffen.« In der Diskussion um seine Bilanz als Manager nahmen ihm seine Spieler mit der zweiten Heimniederlage der Saison und mittlerweile fünf Pflichtspielen in Folge mit nur einem Sieg fast alle Argumente. Trainer Fred Rutten, der anstelle des immerhin bis ins Champions-League-Viertelfinale vorgestoßenen Mirko Slomka mit neuer Philosophie den nächsten großen Schritt machen sollte, wirkt ratlos und gibt keine gute Figur ab. »Es hat der richtige Glaube gefehlt«, meinte der Niederländer und fügte schulterzuckend an: »Eine Erklärung ist nicht so einfach.«

Die insgesamt 15,5 Millionen Euro teuren Zugänge Jefferson Farfan und Orlando Engelaar blieben einmal mehr den Beweis schuldig, ihr Geld wert und tatsächliche Verstärkungen zu sein. Problem-Stürmer Kevin Kuranyi, mit dem Müller möglichst schon im Winter den 2010 auslaufenden Vertrag verlängern will, hatte nicht eine einzige Torchance und verlor wieder viele Bälle. Die Kritiker Müllers, die in der »sehr kritischen Situation« (Müller) endlich ein hartes Durchgreifen gegenüber den hochdotierten Stars fordern, werden aber wohl wieder enttäuscht werden. »Wir werden sicher nicht mit dem Prügel draufhauen«, kündigte der Manager an, »sondern ruhig und sachlich analysieren.«

Dass er diese Ruhe in den nächsten Tagen kaum haben wird, ist Müller allerdings klar: »Es muss auch kritisch und nicht nur ruhig sein, sonst schlafen wir ein.« Diese Gefahr besteht wohl angesichts der Fan-Wut nicht.