Familie, Fußball und Tischtennis: Hollands Robin van Persie

Nach dem UEFA-Cup-Sieg gegen den BVB verlor er die Bodenhaftung

Bob war immer noch skeptisch, doch sobald Robin laufen konnte, gab er ihm Luftballons zum Üben – Balltraining in Zeitlupe. Dann wurde die Ehe mit José geschieden, Bob zog aus, und Robin blieb bei seiner Mutter. Als der Junge fast sechs Jahre alt war, stand José eines Tages bei Bob vor der Tür und war verzweifelt. »Kann Robin bei dir wohnen? Er ist aufsässig und lässt sich von mir nichts sagen.« Bob nahm ihn auf. »Das Problem war seine Hyperaktivität«, erklärte mir sein Vater. »Robin hatte zwar kein ADHS, das hätte man behandeln müssen, aber er steckte ständig voller Energie, die irgendwie raus musste.« Der Wendepunkt? Seine marokkanischen Kumpels. »In denen hatte er Seelenverwandte gefunden. Und von da an lebte er nur noch für den Fußball, das war eine Erlösung.«

Schon mit 12 Jahren trainierte Robin nebenbei eine Jugendmannschaft von Excelsior. Ein Jahr später wechselte er zu Feyenoord, dem größten der drei Rotterdamer Profivereine. Als größtes Talent des Klubs debütierte der damals 18-Jährige im Februar 2002 in der ersten Mannschaft und spielte ein paar Monate später im UEFA-Cup-Finale, das Feyenoord mit 3:2 gegen Borussia Dortmund gewann. Ein Sieg, der Van Persie nicht guttat. Gerade erst zum besten Nachwuchsspieler der Saison gewählt, ging plötzlich alles schief. Er verlor die Bodenhaftung. Weil ihm der vom Sponsor zur Verfügung gestellte Mittelklassewagen nicht gefiel, kaufte er sich einen schicken Mercedes. In einem Spiel schob er vor aller Augen bei einem Freistoß den arrivierten Pierre van Hooijdonk auf die Seite und schoss selber. Da war er gerade einen Monat Teil der ersten Elf.

Der Zwist mit Van Marwijk

Seine Mitspieler waren zunehmend genervt. Vor dem Start der neuen Saison baten Van Hooijdonk und Paul Bosvelt daher um eine Unterredung mit dem Trainer. Van Persie müsse in die Schranken gewiesen werden, forderten sie. Bert van Marwijk setzte den Stürmer prompt auf die Ersatzbank. Der Beginn eines unschönen Kleinkriegs. Beim Qualifikationsspiel für die Champions League gegen Fenerbahçe Istanbul im August 2002 schickte der Coach Robin erst eine Viertelstunde vor Schluss zum Aufwärmen. Kurze Zeit später saß er schon wieder, er sei lustlos auf und abgelaufen. Robin verweigerte seinem Trainer nach dem Spiel den Handschlag.

Erst 2008, als Van Marwijk die holländische Nationalmannschaft übernahm, begruben die beiden den Streit. Van Marwijk glaubt noch heute, Van Persie mit seiner Kritik etwas Gutes getan zu haben. Der sieht das anders: »Ich habe von manchen Leuten nie das Vertrauen bekommen, das ich brauchte. Am Ende saß ich bei Feyenoord auf der Ersatzbank und glaubte selber nicht mehr daran, gut genug für die Nummer 10 zu sein.« Vielleicht hat Robin aber wirklich etwas gelernt. Carl Atkinson, der später mit Van Persie bei Arsenal spielte, sagt: »Wenn du Probleme hast, ist Robin immer für dich da. Vor allem für junge Spieler. Er war der ideale Kapitän.«

Eine Begegnung mit 40 Ajax-Hools

Im April 2004 kam plötzlich Bewegung in die zerrüttete Beziehung zwischen Feyenoord und Van Persie. Vor den Augen von Arsenal-Chefscout Steve Rowley schoss Van Persie im Spiel gegen das Nachwuchsteam von Ajax den 1:1-Ausgleich und warf einen Handkuss ins Publikum. Was 40 Ajax-Hools animierte, Robin eine Abreibung zu verpassen. Sie traten und schlugen ihn, bis Spieler beider Mannschaften dazwischengingen. »Ich will nicht übertreiben«, sagte Robin mir hinterher, »aber ich dachte, ich müsste sterben.« Immerhin, Rowley war beeindruckt. Arsenal wollte Van Persie.

Am Ende seines ersten Jahres in London besuchte ich Robin auf dem Trainingsgelände. Arsène Wenger wollte ihn behutsam aufbauen, er sollte zunächst erneut nur in der zweiten Mannschaft spielen, aber diesmal machte es ihm nichts aus. »Ein paar Minuten mit Wenger waren genug. Ich wusste, ich konnte ihm vertrauen. Er sagte, dass ich gut sei, aber Geduld haben müsse. Während der Verhandlungen meinte er, sobald ich im Training an Sol Campbell und Kolo Touré vorbeikäme, würde ich spielen. Mehr brauchte ich nicht zu hören.«

Zumal er einen Fürsprecher im Team hatte. Landsmann Dennis Bergkamp zeigte ihm, was er und wie er es zu tun hatte. Er lehrte ihn, das eigene Spiel selbstkritisch zu bewerten. Steve Rowley erklärte ihm, dass er zu viele Risiken fern des gegnerischen Strafraums eingehe. Und Wenger ging wegen unnötiger Gelber und Roter Karten hart mit ihm ins Gericht.