Fabio Capello über das Champions-League-Finale 1994

»Guardiola war hilflos«

Im Champions-League-Finale 1994 ist der AC Mailand nur Außenseitier gegen das »Dreamteam« aus Barcelona. Und gewinnt doch mit 4:0. Milan-Trainer Fabio Capello erinnert sich.

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Spezial 07

AC Milan - FC Barcelona
18. Mai 1994, Athen (Olympiastadion) 
Ergebnis: 4:0

Es ist nun mal meine Art, dass ich bei Toren nicht ausflippe. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit schießt Daniele Massaro das 2:0. Wir gehen also mit 2:0 gegen die angeblich beste Vereinsmannschaft der Welt in die Pause. Ich hatte meine Hände in den Hosentaschen und wollte ganz ruhig zur Bank zurück gehen, da springt mir einer meiner Kollegen auf den Rücken.

Kurz mal die Fäuste geballt

Selbst beim 4:0 von Desailly eine halbe Stunde vor Schluss war ich ruhig. Natürlich habe ich mich unglaublich gefreut, aber ich mag nicht herumspringen wie ein Rumpelstilzchen. Die anderen sind alle auf mich drauf gesprungen. Aber das ist nicht meine Art. Okay, beim Schlusspfiff habe ich dann auch die Fäuste geballt und vor Freude in die Nacht von Athen gebrüllt.

Die Ausgangsposition für das Spiel war sehr speziell. Der FC Barcelona war das Team des Augenblicks, sie hatten zwei Jahre zuvor schon den Landesmeister-Pokal gewonnen und nannten sich »Dream Team«. Ganz Europa lag der Mannschaft zu Füßen. Sie waren frisch Meister geworden, hatten 85 Tore erzielt. Das Team von Johan Cruyff mit Stoichkov, Romario, Koeman und Guardiola war haushoher Favorit.

Der beste Angriff vs. improvisierte Defensive

Das Problem war, dass bei uns die gesamte Innenverteidigung ausfiel, unser Prunkstück mit Baresi und Costacurta. Ich musste die Abwehr also ganz neu erfinden. Auf dem Papier stand der beste Angriff der Welt einer improvisierten Defensive gegenüber. Niemand räumte uns eine Chance ein. Aber genau das war unsere Chance. Es war deshalb eigentlich ganz einfach, die ragazzi zu motivieren. Ich musste dazu gar nichts sagen. Deshalb habe ich auch gut geschlafen vor dem Spiel, wie immer.