Existenzangst in der Bundesliga

Wo ist das gesicherte Mittelfeld?

Diejenigen unter der Pufferzone, die sich Woche für Woche mit hohen Niederlagen aus der gated community der Besserverdienenden jagen lassen müssen, der einstige Mittelstand, sie suchen verzweifelt nach ihrem angestammten Lebensraum, dem gesicherten Mittelfeld: Es ist nicht mehr da. Abgerissen wie der alte Spielzeugladen, vor dem immer die Kinder mit leuchtenden Augen standen und von Geschenken träumten.

Und in der Baulücke errichtet bereits ein österreichischer Brausehersteller seine neue Firmenzentrale. Drängen die Chinesen eigentlich auch schon in die Bundesliga?

Ab Platz 10, in Hamburg, Werder, Stuttgart und anderswo, geht die Angst um. Bei Fans zumal, die im sogenannten echten Leben ohnehin schon Angst haben, dass ihr Arbeitsplatz wegrationalisiert wird, dass sie aus ihrem Kiez hinfort gentrifiziert werden, und jetzt geht es auch noch dem Verein an den Kragen, wenn nicht dieses Jahr, dann nächstes. Die Ausweitung der Abstiegszone spiegelt den gesellschaftlichen Konkurrenzkampf wider, »das symbolische Geschehen« ist ein Symbol für die Gegenwart.

Fußball sollte eigentlich etwas anderes sein

Wenn aber das Symbol allzu konkret ist, dann wird es irgendwie witzlos. Dann kann man sich ja auch gleich das eigene Leben angucken, was man aus vielerlei Gründen bislang lieber vermieden hat. Fußball sollte eigentlich etwas anderes sein: mindestens Ablenkung, vielleicht sogar Hoffnung, jedenfalls irgendwas, das einen die Beschissenheit der Dinge für 90 Minuten vergessen lässt. Damals, kurz nach dem Pleistozän.

Aber vielleicht zerbrechen wir uns hier umsonst die Köpfe und die Herzen. Vielleicht gibt es schon Pläne, die Fankultur outzusourcen, ins Ausland, wo weniger gemurrt wird.