Ex-Stars verabschieden Alex Alves

Wo ist Hertha?

80 Minuten spielten anschließend die geladenen Gäste um die goldene Ananas. Das ist bei jedem Abschiedsspiel so. Ailton ist nicht mehr der altbekannte Kugelblitz. Marko Pantelic spielte ohne Schienbeinschoner einen soliden Part und erzielte drei Treffer. Patrick Ebert merkte man hingegen die lange spanische Saison an, auch wenn er spielerisch brillierte. Und Claus Reitmeier wird vermutlich noch mit 60 Jahren den Bällen hinterher fliegen. Das nötige Engagement unter den Augen von Alex Alves, dessen Bild allzeit auf der Stadionleinwand zu sehen war, ließ trotzdem niemand vermissen.

Keine Rede von Ronaldinho

Doch wo waren all die anderen eingeladenen Weggefährten von Alex Alves? Marcelinho erhielt angeblich keine Freigabe von seinem Verein, auch Fredi Bobic und Zecke Neuendorf hatten es nicht geschafft. Michael Ballack steckte sein eigenes Abschiedsspiel vielleicht noch in den Knochen, von der Einladung an Ronaldinho ganz zu schweigen. Und Herthas Sturmpartner von 2000?

Michael Preetz war es schließlich, der im Jahre 2000 den Pass von Alex Alves zum 2:2 gegen Köln verwertete. Der ehemalige Angreifer managt derzeit Hertha BSC, das ausgerechnet am gleichen Tag ein Fanfest für 7.000 Anhänger in der Stadt organisiert hatte. Deren Fazit auf der vereinseigenen Homepage lautete anschließend: »Jubel, Trubel, Heiterkeit - so kann es gerne weitergehen«. Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller freute sich zugleich, dass die Hertha-Familie so eng zusammenstehe. Dieses Zitat dürfte für die Beteiligten des Abschiedsspiels einen bitteren Beigeschmack besitzen. Doch nur wenige übten so viel Kritik wie Patrick Ebert.

Ein Ausbildungsfond genügt

»Ich kannte Alex aus meiner Zeit in der Hertha-Jugend. Heute zu spielen ist eine Ehre für mich. Dass der Manager, der jahrelang zusammen mit Alex im Sturm aufgelaufen ist, hier nicht gespielt hat, ist für mich völlig unverständlich«, so Ebert. Immerhin: Der Hauptstadtklub richtete einen Ausbildungsfond für Alessandra Alves ein, den sie am 18. Geburtstag ausgezahlt bekommt. Die Einladung von Organisator Stefan Willkommen ließen die Verantwortlichen nach seiner Aussage unbeantwortet. Im Ludwig-Jahn-Sportpark war kein offizieller Gast der Hertha zu sehen. Willkommen bleibt als privater Sponsor gar auf den Schulden des Abschiedsspiels sitzen. 7.000 Besucher hätte er für eine neutrale Bilanz benötigt und der möglichen Gewinn sollte gespendet werden.

Die Heliumballons waren selbstverständlich schon bezahlt. Als diese in den Berliner Abendhimmel stiegen, wurde klar, dass es nicht wichtig ist, wie viele Zuschauer ein Stadion füllen. Dass allein ein Abschiedsspiel stattfand, war Zeichen genug – ganz besonders im Fall von Alex Alves. Ihn wird man nicht mehr als TV-Experte erleben, er wird in keinem Dschungelcamp auftreten. 3.500 Berliner haben sich am Samstag dauerhaft von ihm verabschiedet.